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Das süße Reh

Ich fühle mich als Fremder im eigenen Land, wenn ich im TV die Bambi-Verleihung sehe. Eine Veranstaltung des Hauses Burda, das beansprucht, für Deutschland zu sprechen, und der ARD, die sich darauf einlässt. Die Reihe der ausgelobten Preise will nicht enden. Noch ein Preis und noch ein Preis und noch einer. Die Preise sind völlig irrelevant. Die Filme, die Songs, die Heldentaten, die ausgezeichnet werden, kenne ich nicht. Ich kenne nicht mal die Prinzen und Yvonne Catterfeld, wenn sie in diesem Kontext auftreten. Der Dank an die Kollegen (ohne die ich das nie geschafft hätte), der Dank an die Mutter (ohne die ich das schon mal gar nicht geschafft hätte) wiederholt sich zwanzig Mal. Sie halten das Reh, als wär’s der Oscar. Und wie rührend, wenn ein Preisträger wegen Krankheit nicht antreten kann. Dann wird er nur umso mehr geliebt. Ich sehe die gute Laune der Schlechtgelaunten, die dort als Publikum sitzen und nicht in der Lage sind, Stimmung zu machen. Die Preise sollten besser ihnen zukommen, gegen dieses Gefühl können sie sich nicht wehren.

Eines ist besser geworden: Es bedankt sich nicht mehr jeder Preisträger beim Haus Burda für das süße Reh und die Ehre. Diesen relativen Fortschritt müssen wir schon mal sehen.

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