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Der Spielmann

Steigt die Party noch? © Christian Brachwitz

Steigt die Party noch?
© Christian Brachwitz

Straßenmusik dreißig Jahre später. Der Musikant betritt die Bahn. Er kommt von weit her und ist kein Demütiger, kein an der Menschheit Leidender, kein Zukurzgekommener. Sein Akkordeon kann auch weinen, aber der Musikant weiß, dass die Leute Spaß haben wollen, und wenn das Akkordeon („das Schifferklavier”) weint, dann setzt er die tragische Mine auf, zwinkert aber ab und zu mit den Augen. Der S-Bahnwagen wird leicht zum Partyraum, und Spaßverderber gibt es überall. Sie sind angestrengt mit ihrem Handy beschäftigt, mit dem man vor dreißig Jahren noch nichts im Sinn hatte. Damals musste man seinen Lieben noch nicht mitteilen, dass man in der S-Bahn sitzt irgendwo zwischen Greifswalder Straße und Prenzlauer Allee. Heute interessiert das im Prinzip ja auch niemanden. Der Professor hatte sein Katzenauge noch nicht direkt am Fahrradhelm. Er war damals auch noch nicht so verliebt in seine Klarsichtfolien. Die Zufallsgesellschaft im S-Bahnwagen war nicht so bunt, so international. Deshalb werden die Leute doch wohl irgendwann anfangen, zu tanzen oder wenigstens mitzusingen, verdammt noch mal. Ansonsten reicht es auch, wenn ihnen das Portemonnaie locker sitzt. Sie brauchen gar nicht so blöde wegzugucken.

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