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Ja, früher

Ooch so’n Quartett

Ooch so’n Quartett

Warum ist das Alte besser als das Neue? Das alte Literarische Quartett besser als das neue Literarische Quartett? Die alten Köpfe charaktervoller als die neuen?

Das neue Literarische Quartett ist ein Remake ohne Innovation. Es war klar, dass es bei der Besetzung der drei Dauerpositionen mindestens zweier Glücksgriffe bedurft hätte. Da es manchmal tatsächlich so ist, dass Glück der Tüchtige hat, ist dem ZDF kein einziger Coup gelungen, auch nicht mit Christine Westermann, die zwar gemeinhin vom Glück verfolgt wird, aber doch recht bieder daherredet. Sie ist die Frau, die den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, verbeißt sich in Details und verliert das Buch aus dem Blick. Was für ein Unglück, ja, wie entlarvend, wenn der Übersetzer das Wort Drahtesel für Fahrrad einsetzt. In den Originaltext geschaut hat sie natürlich nicht, hätte sie aber tun sollen, wenn sie dieses Wort so quält. Chef der Runde ist nun Volker Weidermann, früher Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, heute Der Spiegel, er tritt im blauen Konfirmationsanzug auf, trägt dazu aber eine freche Wirbelfrisur und ein cooles T-Shirt. Obwohl er so aussieht, als wäre er gerade erst in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen worden, attackiert er mutig die apodiktischen Urteile Maxim Billers, der den Fürst der Finsternis spielt. Juli Zeh als Gast, nun, sie scheint zu gescheit zu sein, als dass sie auch noch Gefühle aufbringen könnte. Jeder der Kombattanten stellt eines der vier Bücher vor und hat auch den kleinen Ehrgeiz, dieses Buch durchzubringen, wenn möglich auf die Bestsellerliste. Es soll ein Wettkampf sein. Weidermann zählt mit und fasst die Ergebnisse zusammen. Meistens geht es 2:2 aus. Unentschieden. Wie spannend.

Was wertet das alte Literarische Quartett auf, auf das wir damals ja auch nicht gut zu sprechen waren? Ob Reich-Ranicki, Löffler oder Karasek – ich glaube, man tritt ihnen nicht zu nahe, wenn man sagt, dass sie alle einen Knall hatten. Reich-Ranicki mit seinem poltrigen Charme, der nie einen Zweifel an seinen Urteilen hatte und der keine Antenne für moderne, postmoderne und postpostmodere Schreibweisen besaß. Löffler, zwischen Hochmut und Eingeschnapptsein immer Angriffe auf die globale Frauenheit und österreichische Autoren witternd. Karasek, der in seiner Hingabe für Witze, Anekdoten und ulkige Zitate aufging. Vielleicht waren das auch nur Rollen, aber sie spielten sie gut, so gut, dass echte Feindschaften daraus erwachsen konnten.

Und was das neue Quartett angeht: Was kann man tun, damit diese Protagonisten möglichst schnell unnormal oder wenigstens schräg werden? Wo bekommen wir neue Verrückte her?

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