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Suckert alias Malaparte

Ein Exzentriker und nicht nur das

Ein Exzentriker und nicht nur das

Ich lese an, was sich auf meinem Ankunftstisch versammelt hat, zum Beispiel Curzio Malaparte, Zwischen Erdbeben, aus der Anderen Bibliothek, herausgegeben von Jobst Welge (noch Enzensberger-Zeit). Reportagen vor, während und nach dem Krieg, er schreibt auf, was er sieht, die geometrische Form von Landschaften und Städten. Curzio Malaparte und die Liebe zur Geometrie, könnte man sagen. Menschen höre ich kaum sprechen. Er war ja ein Faschist, wie ich lese, vom Kopf her, ein Antimodernist und Anti-Nordler. Italien sollte sich nicht dem Norden angleichen, sondern sich auf seine Tradition, auf seine ureigenen Stärken, auf den Privatbürger, der seinen eigenen und nicht übergeordneten Maßstäben folgt, besinnen. Er war aber auch Kommunist, im Grunde war er ziemlich rücksichtslos zu sich, stand meistens quer zu den herrschenden Strömungen und musste ein paar Jahre in der Verbannung zubringen, wo er die Muße hatte, Homer und Platon im Original zu lesen.

Sofort begeistert hat mich das Nachwort von Bruce Chatwin, der Malaparte einen höchst sonderbaren Schriftsteller nennt und ungerührt das Misslingen auch seiner erfolgreichen Werke thematisiert, auch die Nähe zu Mussolini. „Er war klug genug, um von Anfang an die grausamen Absurditäten von Mussolinis Bewegung zu erkennen; und mit seinem Sinn für ätzenden Humor konnte er nie der Versuchung widerstehen, Männer an der Macht zu verhöhnen.”

Getauft wurde Malaparte auf den Namen Kurt Suckert. „Sein Vater”, schreibt Chatwin, „war ein reizbarer, unbedeutender Textilfabrikant aus Sachsen.” Chatwins Essay spielt mit der Ästhetik der Unvollständigkeit und ist voller knapper, straffer, auch wunderbar absurder Sätze. „Er begann dick zu werden und plante eine Fahrradtour von New York nach Los Angeles.”

Am Ende des knapp neun Seiten langen Textes fühlt man sich mit Malaparte bestens vertraut. Ich habe mir das Buch, dem Chatwins Text entnommen ist, sofort bestellt. Es heißt „Der Traum des Ruhelosen” und könnte heute ankommen. Oder eben morgen.

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