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Godot in Jena

„Beckett zeigt nicht nihlistische Menschen, sondern die Unfähigkeit der Menschen, Nihilsiten zu sein.” Günther Anders © Christian Brachwitz

„Beckett zeigt nicht nihlistische Menschen, sondern die Unfähigkeit der Menschen, Nihilsiten zu sein.” Günther Anders
© Christian Brachwitz

Nichts ist komischer als das Unglück, sagte Beckett. Er durfte das sagen, schon, weil er selbst oft im Unglück war und es schaffte, sich dabei komisch zu finden.

Es kann auch ein Unglück sein, Becketts „Warten auf Godot” in Jena spielen zu wollen. Jena und Godot scheinen irgendwie nicht zusammen zu passen. Die Schauspieler, die Wladimir und Estragon spielen, scheinen auch irgendwie zu heil zu sein. Nicht kaputt und nicht komisch genug. Nicht umsonst hat Brachwitz Wladimirs (oder Estragons?) Kopf in der Bewegung gezeigt, was eine gewisse Zerrissenheit andeuten könnte. Absurdes Theater. Es tut sich nichts. Hauptheld ist die Langeweile. Warten auf etwas, von dem man nicht weiß, was es ist. Ist Godot Gott? Ist Godot der Tod?

Der Text hütet sich davor, diese Annahmen zu bestätigen oder zu widerlegen. Dennoch meinte Beckett, es käme ihm nicht auf Godot an, sondern ausschließlich aufs Warten.

Es kann ein Unglück sein, Godot in Jena zu spielen. Und das kann komisch sein.

„Besonderheit und Größe Becketts liegen darin, dass es ihm gelingt, etwas wirklich Neues zu schaffen … und dass er eine Form des Dramas findet, die zum Schweigen anregt und gleichzeitig reich an Fiktion ist.” („Moderne Weltliteratur”, Kröner Stuttgart 1972)

Ich wüsste eigentlich nichts, was mich nicht zum Schweigen anregt. Mit der Fiktion ist es schon schwieriger.

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