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Der polnische Großvater

Unser kleiner Markt (wird jedesmal kleiner)

Unser kleiner Markt neben der Supermarkt-Ruine ist noch mal kleiner geworden. Der Stand mit den Portemonnaies, Armbändern und Ketten fehlt. Klimbim brauchen wir hier im Prinzenviertel nicht. Aber Obst und Gemüse. Die Dame vor mir wägt lange ab und nimmt ein Bund Möhren (Möhren darf man noch sagen, Mohren nicht). Das Besondere an unserem Markt: er ist ein deutsch-polnischer oder höflicher polnisch-deutscher. Der Händler ist von väterlicher, geradezu großväterlicher Art und bietet der Dame noch Kohlrabi an. Nein nein, wehrt sie ab, mein Mann darf nicht alles essen. Ich esse alles.

Ich mische mich ein. Männer sind wählerischer, sage ich. Nein nein, sagt die Dame, es ist wegen seiner Krankheiten.

Wir haben gelernt, es positiv auszudrücken, sage ich.

Ja, man soll sich nicht schlechter machen, sagt die Dame.

Das machen andere schon, sage ich.

Der polnische Großvater staunt, was die Deutschen für einen Müll reden. Geht gleich weiter. Am nächsten Gemüsestand, ja, wir haben sogar zwei: Das sind gar keine richtigen Tomaten mehr, sagt eine Frau, die sahen früher anders aus. Dem Händler bleibt die Spucke weg, sagt keinen Ton. Der polnische Großvater hätte sich ganz anders aus der Affäre gezogen. Alles schön, alles gut, meine Dame. Früher gut. Heute gut. Morgen besser noch.

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