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Medea, das Theater und wir

Katja Paryla und Alexander Lang, Medea und Aegeus, Deutsches Theater Berlin 1986 © Christian Brachwitz

Katja Paryla und Alexander Lang, Medea und Aegeus, Deutsches Theater Berlin 1986
© Christian Brachwitz

Der Straßenfotograf kann nach Belieben und Auftrag auch Landschaftsfotograf, Jazzkonzertfotograf oder Eventfotograf sein. Und hier ist er eben Theaterfotograf. Deutsches Theater Berlin, nicht so lange vor der deutschen Einheit, aber noch Osten, Hauptstadt der DDR. Alexander Lang inszenierte eine Trilogie der Leidenschaft mit den Stücken „Medea” vcn Euripides, „Stella” von Goethe und „Totentanz” von Strindberg. Die Leidenschaften, wie sie sich im Laufe der Zeiten änderten, weniger groß, weniger unbedingt, weniger unbeherrschbar, aber auch deformiert wurden. Katja Paryla ist die Medea, Alexander Lang Aegeus, König von Athen. Aegeus heiratet Medea, nachdem sie von Iason verstoßen wurde und aus Rache die gemeinsamen Kinder tötete. Aber auch Aegeus wurde die mit magischen Kräften begabte Kolcherin Medea unheimlich, auch er verjagte sie. Der Mythos ist auslegbar und von Männern gemacht. So schrieb in den neunziger Jahren Christa Wolf eine ganz andere Geschichte, in der nämlich Medea aus Kolchis als Fremde im reichen Korinth zum Sündenbock gemacht wird.ohne schuldig zu sein. Wenn ich mir die Lust, die Dynamik dieser alten Theaterbilder anschaue, frage ich mich, wann eigentlich die Berliner Theater, von den anderen will ich gar nicht reden, aufhörten, uns zu begeistern, wann sie ihre Suggestion, ihre Kraft und ihre zauberhafte Ironie verloren. Und warum das so war. Lag es an einigen wenigen Persönlichkeiten, die wegstarben oder weggingen? Oder war es, weil das Theater seine Rolle in der digitalen Medienwelt nicht mehr finden konnte? Oder lag es einfach an uns, deren Leidenschaft sich in unserem Erfahrungs-und Alterungsprozess auch deformierte? Es kann sich noch alles wieder ändern.

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