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Noch ein Sonntag in Berlin

So lustig sind wir nie gewesen

So lustig sind wir nie gewesen

Nur kurz ließ sich der Hafenmeister bitten, dann begab er sich auf den schmalen Steg und fotografierte die Gruppe, deren jedes Mitglied auf dem Foto draufsein sollte. Als sie das Foto dann im PC anschauten, waren sie perplex, wie fröhlich oder nachgerade glücklich sie wirkten. Ist ein solches Image nicht ausgesprochen unsympathisch? Außerdem entsprach dieser äußere Eindruck auch keineswegs ihrem Selbstbild. Ihre Gespräche im Garten der Hafenküche am Rummelsburger Ufer nach dem großen Regen waren eher melancholisch gewesen, mit ein bisschen Spott und Ironie.

Wer einen Hafen-Burger isst, wir richtig satt

Wer einen Hafen-Burger isst, wird richtig satt

Sie waren in Berlin Mitte gestartet und schon auf den ersten Metern war einer der ihren gestürzt, hatte sich das Knie blutig geschlagen und das Fahrrad ruiniert, um dann, kaum hatte die Tour begonnen, nach Haus zurückzugehen. Den größten Teil des Regens hatten sie bei Chicken wings im Burger King am Alexanderplatz abgewartet. Da hatten sie gerätselt, ob ihr gescheiterter Freund wegen des Regens, wegen der Straßenverhältnisse gestürzt oder ob er Opfer seines eigenen Fahrfehlers geworden war. Und dann auf nach Rummelsburg, immer mit der Gefahr, wieder vom Regen überrascht zu werden. In der Hafenküche warteten schon die beiden Karlshorster; sie saßen unter einer gewaltigen Weide. Ob das eine Trauerweide war? Nein, dazu hingen die Blätter nicht traurig genug hinab. Bier kann ich hier nicht empfehlen, sagte der Karlshorster, sie haben nur Flaschenbier in Saftgläsern. Aber mit dem Hafen-Burger war er zufrieden gewesen. Sie bestellten alkoholfreie Hefeweizenbiere, Wiener Schnitzel und Pflücksalat mit Hähnchenfleisch (als hätten sie nicht schon jede Menge Chicken wings verzehrt). Der Mann aus Trier lobte Berlin. In Berlin bekäme man das Wiener Schnitzel immer, wie es sich gehöre, aus Kalbfleisch, während in vielen deutschen Restaurants ungeniert dicke Schweineschnitzel als Wiener Schnitzel serviert würden. Wir überlegten, ob es in der DDR überhaupt Kalbfleisch im offenen Verkauf gegeben hat; jedenfalls haben wir in unseren Kinder- und Jugendtagen viel Pferdefleisch gegessen. Warum wird das heute verschmäht? Vielleicht, weil das Pferd als edles Tier gilt, beinahe wie die heiligen Kühe in Indien. Und noch viel weniger würden wir je daran denken, Hundefleisch zu essen, weil doch der Hund der beste Freund des Menschen ist.

Citymarina in der Rummelsburger Bucht

Citymarina in der Rummelsburger Bucht

Wir sprachen über die weibliche Studio Rundholzmode und wie sie von Männern bewertet wird, wir lobten die großen Künstler aus Sachsen, die auch ihre gewöhnlichen Landsleute in ein gutes Licht setzen. Kurz und gut: Rechtfertigen solche Gespräche, dass man anschließend so fröhlich in die Welt schaut? Was geschieht mit uns Menschen, wenn ein Objektiv auf uns gerichtet ist? Warum können wir unsere Befindlichkeit nicht eins zu eins rüberbringen? Über all das nachdenken. Vielleicht auch nicht.

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