Startseite > Deutsche Grammatik > Der Schlaf des Gerechten (2)

Der Schlaf des Gerechten (2)

Er hätte unser Mitleid verdient, er braucht es aber nicht © Fritz-Jochen Kopka

Er hätte unser Mitleid verdient, er braucht es aber nicht
© Fritz-Jochen Kopka

Oft schlafen wir den Schlaf des Gerechten auf dem Alexanderplatz in Berlin. Wer ist wir? Die Gattung Mensch. Jene unter uns, die den Dingen des Lebens gewogen sind. Dem Fußball zum Beispiel oder dem Bier. Diesem Mann hier gefällt beides. Er trägt ein Emblem von Union Berlin auf dem T-Shirt, und das Bier hat ihn schläfrig gemacht. Ein Fußballfan ist hellwach, wenn sein Team für den Aufstieg oder gegen den Abstieg spielt, aber die Müdigkeit holt ihn ein, und da er vernünftig ist, gibt er ihr nach, wo auch immer er gerade steht. Unser Fan hat sich bei dem sonnenüberfluteten Event auf dem Alex einen Platz im Schatten gesucht. Und gefunden. Sein Glück, der Schädel ist so schon hochrot. Um diesen Mann müssen wir uns keine Sorgen machen. Er wird irgendwann aufwachen, niemand wird ihn bestohlen haben, er wird nach Hause gehen, er hat ein zu Hause, wenn auch vielleicht keine Family. Für die Kellnerin fällt er als zahlender Kunde aus, aber die Frau ganz links findet es, breitbeinig, wie sie sich da mit ihrem verdeckten Lover niedergelassen hat, gar nicht schlecht, dass der Mann sich in seinen Traumwelten verloren hat. Wer schläft, sündigt nicht. Wer wach ist möglicherweise schon.

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: