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Es muss ein Stück von Russland sein

Galerie der Bilder und Shirts

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Und in den Bäumen schwebten glückliche Kinder

Und in den Bäumen schwebten glückliche Kinder

Wenn auf der Rennbahn das Russenfest stattfindet, sind wir akustisch sowieso dabei. Aus der Ferne hört man die Handicaps der Rock- und Folkbands besonders deutlich, die Plumpsbässe, den stupenden oder stupiden Rhythmus, die Monotonie der Vokalisen. Aber das sind eben nur die Schwächen, und in der Nähe wird man zum Beteiligten, die Sympathiewerte steigen. Wir stolperten also über die Gleise der Straßenbahn, um dort bei den Russen ein Schaschlik zu essen, an Bühnen und Ständen vorüberzuziehen, Leute zu beobachten und beobachtet zu werden, vielleicht auch das eine oder andere Russenlied mitzusingen.

Zunächst litten wir mit einem Herrn, der sich sehr verbiegen musste, um sich beim Verzehren eines extrem langen Schaschliks nicht total einzusauen. Später stellte sich heraus, dass das kein Schaschlik war, sondern eine Kartoffelspirale, konventionell, wie auf der Tafel stand, für 2,50 €. Diese Tafel weckte Zweifel. Da hatten anscheinend Leute, die des Russischen nicht ganz kundig waren, deutsche Begriffe russifiziert, aber Sacharnaja Watka für Zuckerwatte, das kam einigermaßen hin.

Kosak und Eisbrenner

Kosak und Eisbrenner

Die Schlange am Schaschlik-Stand war kurz, es dauerte trotzdem lange, weil die Russen finden, dass straffe Organisation Gemütlichkeit und Humor zerstört. Schaschlik kostet fünf Euro; ich zahlte mit einem Zwanzig-Euro-Schein; stimmt so?, fragte der Mann am Tresen charmant, kurz darauf hatte er mich vergessen. Der nächste wollte ebenfalls Schaschlik, der Verkäufer hatte nun angefangen, ernsthaft zu arbeiten und fragte Wodka?, nein, Kognak?, nein, er fragte so lange, bis der Kunde sich nicht mehr zu helfen wusste und doch einen Wodka nahm.

Mit dem Herzen dabei

Mit dem Herzen dabei

Ein Einzelgänger mit randloser Brille war gerade damit beschäftigt, nüchtern zu werden. Er saß auf dem Trockenen und erzählte uns, warum auch immer, dass er aus Eberswalde stamme, aber schon seit 1976 in Rostock bei der Wasserwirtschaft arbeite, wo er auch die Wende überstand. Damals kamen die Franzosen und übernahmen den Betrieb, weil in Rostock doppelt so viel Wasser wie in Bremen verbraucht wurde. Als die Rostocker ihren Verbrauch reduzierten und nicht mehr verbrauchten als die Bremer, verließen die enntäuschten Franzosen die Stadt wieder. Wir kauften uns ein Moskauer Eis und ein sibirisches Bier und gingen zur Hauptbühne, wo ein so schwatzhafter wie beleibter Ansager eine Sensation ankündigte: Tino Eisbrenner wird singen! Wir erkannten den Sänger gleich an seinem kleinen Hut, der anscheinend sein Markenzeichen geworden ist. Unter den Zuschauern schwenkte ein hochgewachsener Kosak eine deutsch-russische Doppelfahne. Eltern und Kinder drängten danach, sich mit ihm fotografieren zu lassen.

Russischer Humor? Deutscher Humor?

Russischer Humor? Deutscher Humor?

Auffällig war in diesem Jahr die Anwesenheit Wladimir Putins. Es wurden jede Menge T-Shirts angeboten, Putin als fürsorglicher, prinzipienfester Landesvater, Putin als Popstar, Putin als Athlet, Putin zu Pferde, Putin soldatisch, Putin als Held. Das war in den vorangegangenen Jahren nicht so gewesen. Nun ist Putin ein Solitär geworden, eine Ikone der Größe und Einsamkeit, ein Rufer in der Wüste, der sich als Einziger der Westlichkeit der Welt entgegenstellt. Daran mag alles Mögliche falsch sein, aber die Ausschließlichkeit westlicher Werte ist auch verhängnisvoll.

Der lange Weg zu Putin

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