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Herrentag mit Sturzhelm

Dann kann ja nichts mehr schiefgehen

Dann kann ja nichts mehr schiefgehen

Am Donnerstag lief ich eine Runde durchs Wäldchen. Da kreuzten meinen Weg vier Radfahrer, einer trug einen mexikanischen Strohhut, und ich dachte, aha, Herrentag, hatte ich fast, hätte ich fast vergessen. Zwei der Radfahrer, die den Herrentag auf dem Rad feierten, trugen Sturzhelme, das kam mir ziemlich jämmerlich vor: Herrentag mit Sturzhelm. Am Herrentag hat man kühn zu sein oder man lässt es bleiben.

Später sah ich noch eine Gruppe Radfahrer, die den Herrentag auf dem Rad feierten, die hatten zum Teil sogar ihre Frauen mit dabei.

Im Haus gegenüber hatten sie ihre Frauen weggeschickt. Sie standen zusammen auf der Wiese und versuchten, besoffen zu werden. Klappte nicht so richtig. Einige verließen den Garten, um nachzusehen, ob irgendwo in der Nähe tatsächlich echter Herrentag war. War aber nicht. Sie kamen zurück und standen am Gartentor. He, Schwuli, rief einer, mach die Tür auf, ick will dir knutschen, mach uff hier.

Das sind eigentlich gut situierte halbjunge Männer mit leichtem Übergewicht und ausfallenden Haaren, denen der Herrentag die Chance bietet, ein bisschen den Proll rauszulassen.

Ich kriegte mit, dass Westdeutsche den Herrentag eher Vatertag nennen; das ist für mich ungewöhnlich. Ungewöhnlich finde ich auch, dass deren Vatertag fast zwangsläufig mit dem Wort Bollerwagen verbunden wird. Ich musste erst mal bei Wikipedia nachschauen, was ein Bollerwagen korrekter Weise überhaupt sein soll. Ja, ein kleiner Handwagen, eigentlich was für Kinder, da werden die Bierflaschen reingestapelt, die man dann leert. Ich finde, auch das ist kein Fahrzeug für den Herrentag. Wenn es denn ein Fahrzeug sein soll, dann ein Kremser, aber gut, das ist aufwendig, Pferde und so …

Früher ging ich mit Verheugen von Kneipe zu Kneipe, und zwar am Müggelsee, da waren die Wege zwischen den Bieren lang; und das war gut so. Am Abend landeten wir am Kollwitz-Platz. Die Kneipen hatten die Stühle rausgestellt, wir trafen zwei schöne Frauen, die wir kannten, setzten uns an ihren Tisch und versuchten, sie zum Lachen zu bringen, was ja eine Lieblingsbeschäftigung von Männern oder Herren ist: Frauen zum Lachen bringen. Uns gelang das an diesem Abend sehr gut; und es war dann ein wirklich schöner Herrentag.

Am Freitag stand eine lange Schlange am Leergutautomaten bei Rewe. Fünfzehn Meter lang; die Gesichter verquollen, waren auch richtige Trinkergesichter dabei. Einige hatten auch ihre Frauen geschickt. Oder es waren die Frauen selbst, die das Leergut so schnell wie möglich wieder loswerden wollten. Ein Drama mit den Männern.

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