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Krause hört uff

In letzter Zeit spielen Tatorte und Polizeirufe häufig im Himmel. Es wird geflogen und fallschirmgesprungen, was nicht immer gutgehen kann

In letzter Zeit spielen Tatorte und Polizeirufe häufig im Himmel. Es wird geflogen und fallschirmgesprungen, was nicht immer gutgehen kann

Horst Krause hat aufgehört, Horst Krause zu spielen, jedenfalls den Polizeihauptwachtmeister Horst Krause irgendwo im Land Brandenburg, wo er alle Leute kennt, die Verdächtigen, die Täter, die Opfer und die harmlosen Bürger, von denen er selbst einer ist oder auch nicht. Denn das war eine seiner Stärken im Polizistenkostüm: Er wirkte harmlos, vielleicht sogar einfältig, aber das war er nicht. Er war sozusagen immer auf der Lauer, in seinem Kopf blitzte dieser und jener aberwitzige Verdacht auf.

Merkwürdig schon der Name. Horst ist sicher einer der tragischen deutschen Vornamen, und Krause gehört zu den abgelatschtesten Nachnamen, aber die Verbindung des einen Unglücks mit dem anderen funktioniert, so, wie wir es aus der Mathematik kennen: Minus mal minus ergibt plus. Horst Krause.

Horst Krause verlässt den Polizeiruf 110. Er überlebte da vier Chefinnen, und die fünfte, die nun ihn überlebt, ist Olga Lenski, dargestellt von Maria Simon, ich würde sagen, die Kinderkommissarin, denn kindlich und naiv wirkte sie von Anfang an und wirkt sie immer noch, auch wenn sie mittlerweile alleinerziehende Mutter ist und seit einige Folgen Worte sagen muss wie „Tschüs, meine Kleine, tschühüs”, was eigentlich überflüssig ist, aber wer A sagt, muss auch B sagen; das Kind muss immer mal wieder auftauchen, während Krause ja nun raus ist. „Ich glaub, ich werd ihn vermissen”, sagt Lenski beinahe mütterlich; aber diese Herablassung kommt ihr nicht zu. Der Krause ist die interessantere Gestalt. Zauberhaft allerdings, wenn Lenski hier und da dezent berlinert. „Geht’s nich uff?”, fragt sie, als Krause eine im abgestürzten Flieger gefundene Tasche zu öffnen versucht.

Zwischen der Action, wenn man von einer solchen sprechen kann, fährt der Hauptwachtmeister mit dem Seitenwagengespann und dem Hund immer mal wieder durch die mythischen märkischen Alleen. Krause ist ein Typ, dem irgendwie alles zu klein und zu eng ist: der Helm, die Lederjacke, das Motorrad. Vielleicht auch die Geschichten, die hier erzählt werden. Daniels Tod kein Unfall, also gibt es einen Mörder? Wer sollte das sein, sagt Krause. Er glaubt an das Gute im Märker, die Menschen hier sind ihm persönlich bekannt. Aber das Menschenvertrauen macht ihn nicht dumm; er ist auf der Hut. Dass er allgemein als gemütlicher Dicker, der seine Zentner nicht loswird, unterschätzt wird, gereicht ihm zum Vorteil. Gereichte ihm zum Vorteil, muss man jetzt sagen. Krause, der niemals mit seiner Figur haderte, ist draußen. Mögen auch die Opfer vom Himmel fallen und bewusstlos in den Bäumen hängen bleiben. Krause kratzt das nicht mehr. Jedenfalls nicht beruflich.

 

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