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Messi eines Mittwochabends

Als ich am Mittwochabend nach dem Tischtennistraining nach Hause kam, stand es zwischen dem FC Barcelona und dem FC Bayern München 0:0, und es sah ganz so aus, als sei das bis zur 64. Minute, in der ich einschaltete, eine zähe Angelegenheit gewesen. Aber dann wollte Neymar einen Elfmeter haben und sein Landsmann Rafinha zeterte mit ihm, weil er das Foul im Strafraum simuliert habe, Neuer wollte die Gelegenheit nutzen und einen schnellen Konter einleiten, aber Bernat verlor den Ball an Dani Alves, der zu Messi flankt. Messi steht an der Strafraumgrenze und zieht kurz und trocken (oder wie man so schön sagt: ansatzlos) mit links ab; der Ball schlägt rechts im Tor der Bayern ein; Neuer streckt sich vergeblich und tobt. Der Bann ist gebrochen. Barcelona jubelt. Aber das ist nur das bescheidene Vorspiel dessen, was drei Minuten später geschieht: Messi dringt mit dem Ball am Fuß in den Strafraum ein, aber da steht Jerome Boateng; der Mann mit den besten Zweikampfwerten, sehr schnell, beneidenswerte Physis. Messi deutet den Schwenk nach links an, dreht blitzschnell nach rechts ab, hat dabei Boateng derart verwirrt, dass der wir ein nasser Sack auf den Arsch fällt, Messi überlupft den aus dem Tor herausstürmenden Neuer, und das Kunstwerk ist vollendet. Unter dem Strich verwundert, dass Neuer, der nach dem 0:1 noch tobte, nun plötzlich (wie auch nach Neymars 0:3) locker hüpfend auspendelt. Was bleibt ist auch, dass man bei Boateng nun immer daran denken wird, wie er derart ausgetrickst wurde, dass er nur noch umfallen konnte. Und das kommt auch noch hinzu: Der brave ZDF-Reporter Bela Rethy schreit, dass Boateng fällt, in der Hoffnung, dass der Schiedsrichter ihn hört und ein Offensivfoul pfeift, aber Messi hat Boateng nicht einmal berührt. Messi, der Einzigartige. Er ist auferstanden. Lange Zeit hat er sich mit allen möglichen Problemen, mit Übergewicht und der eigenen Lustlosigkeit herumgeplagt, und wir mit ihm, denn ein solch begnadeter Spieler gehört nicht nur einem Land und einem Verein, er gehört der ganzen Welt und die Welt gehört ihm.

Es ist mittlerweile Verhaltenskodex in Deutschland, dass man sich über Niederlagen der Bayern im Inland freuen darf, weil die Liga durch ihre Überlegenheit langweilig geworden ist. Wenn sie aber in der Champions League spielen, muss der gute Deutsche fest an ihrer Seite stehen. Wie soll man diese Schizophrenie auf die Reihe kriegen? Zuerst zählt immer noch die hausbackene alte Weisheit, dass der Bessere gewinnen soll. (Manchmal ist aber nicht ganz sichtbar, wer der Bessere ist. In diesem Fall war es das aber.) Zweitens leben wir in einer Situation, wo die Grenzen durchlässig geworden sind und die Sympathiepunkte nicht mehr nach purem Patriotismus verteilt werden. Wenn man bei jedem Sieg der Bayern schon Angst haben muss vor dem Triumphgeheul, dass der Verein und die Medien dann anstimmen werden, wenn man an das dauernde Gefasel vom Triple denkt, dann kann man einfach nicht viel Gefühl für den FC Bayern aufbringen. In Barcelona zeigten sich die Bayern allerdings als faire Verlierer. Das haben sie auch nicht immer gekonnt. Jetzt sind sie dabei, es zu lernen.

  1. Mai 8, 2015 um 1:25 pm

    Moin. Keine Widerworte. Eine Freundin würde das zwar anders sehen und meinte einer Viertelstunde vor Schluss: „Noch eine Viertelstunde durchhalten!“ Später meinte sie: „Hätte ich das nur nicht gesagt!“
    Und nun, ich habe es gerade gehört, steht der Trainer in der Kritik. Und Götze. Um der abgetretene Doktor so wie so. Ist schon alles verrückt 😉
    Viele Grüße von der Ostsee

  2. Mai 8, 2015 um 2:10 pm

    Ja, wem soll man die Schuld geben? Am besten niemandem. Denn eine Niederlage gegen dieses Barca ist beinahe folgerichtig, wenn man sich nicht selber zur besten Mannschaft der Welt erklärt.
    Mit Götze hat das gar nichts zu tun. Höchstens damit, dass sie Götze damals geholt haben (für sehr viel Geld); der war in Dortmund gut aufgehoben.
    Viele Grüße aus Berlin

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