Startseite > Berlin > Ein Gast in unserer Hand, erster Tag

Ein Gast in unserer Hand, erster Tag

Aussichten der Macht Fotos © Fritz-jochen Kopka

Aussichten der Macht
Fotos © Fritz-Jochen Kopka

Hast du Interesse an einer Besichtigung des Bundestags?, fragen wir rein formal. Oh ja, sagt unser Gast. In der Provinz scheint die Politik doch noch einen Nimbus zu haben. Na dann. Aber erst mal gehen wir über den Alexanderplatz, dann in den Ameisenhaufen, der sich Primark nennt, und unter der S-Bahnbrücke spielt die Gruppe Shot. Es gibt keinen Alexanderplatz ohne Musik.

Shot spielt für kleines oder auch für gar kein Geld

Shot spielt für kleines oder auch für gar kein Geld

Ein paar hundert Meter weiter kann der Gast einen Blick auf den Rohbau des Stadtschlosses werfen. Nicht sehr animierend. Beton eben, Fensterlöcher. Ein aufgestelltes Fassadenelement kann den Eindruck auch nicht wesentlich aufhellen. Und immer die Frage: Was soll rein ins Schloss. Alle Antworten können nur kurzzeitig befriedigen. Ein Optimist am Ufer der Spree lotst uns auf einen Ausflugsdampfer, eine Stunde Berlin-Mitte, alle wichtigen Bauten inklusive. Sie machen Ihre Arbeit sehr gut, sagt unser Gast anerkennend, wir haben keine Gegenargumente. Das Schiff fährt bis zum Nicolaiviertel, wendet und fährt in Richtung Westen zu den Bundesbauten. Ein nicht übel gemachtes Tonband sagt alles Nötige und vergisst nicht mitzuteilen, wie sich der Berliner die Bauten zu eigen macht, indem er sie umbenennt, von Erichs Lampenladen über die Waschmaschine bis zur schwangeren Auster. Man könnte auch Kaffee trinken und Buletten essen.

Das Regierungsviertel zieht vorbei

Das Regierungsviertel zieht vorbei

Den Bundestag betreten wir wie einen Flughafen, unsere Personalien liegen bereits vor, alles wird durchleuchtet. Wir beginnen im Paul-Löbe-Haus, betrachten die Rondells der Räume, in denen die Ausschüsse tagen, wenn sie tagen, die Büros der Abgeordneten und Mitarbeiter, die sich auf die Schreibtische blicken können, was nicht jedem gefällt, aber dafür gibt’s ja Jalousien, stellen fest, dass man hier von allen Punkten aus glänzende Aussichten hat, auf die Spree, auf die Schiffe, auf den Kindergarten des Bundestages.

Die Dimensionenen im Paul-Löbe-Haus

Die Dimensionen im Paul-Löbe-Haus

Durch unterirdische, echt futuristische Schluchten begeben wir uns vom Löbe-Haus in den Reichstag, entziffern die erhaltenen und integrierten Inschriften der sowjetischen Soldaten, die 1945 den Reichstag eroberten, besichtigen das Plenum, in dem in dieser sitzungsfreien Woche nur ein paar Besucher hocken, den stillen Andachtsraum mit den Plastiken von Günther Uecker, fahren hinauf auf die Plattform zur gläsernen Kuppel, wo wir einen Überblick über Berlin gewinnen – von den großen Hauptstädten Europas jene mit der größten Fläche und den wenigsten Einwohnern.

Leben unter der Kuppel

Leben unter der Kuppel

Die Besichtigung hat unseren Blick auf die Politik modifiziert. Sie, die Politik, erscheint hier, in ihren Domizilen, doch wesentlich großzügiger, durchdachter, weiträumiger, als wir sie im Fernsehen erleben. Wegen dieses Regierungsviertels müssen wir nicht kleinmütig sein.

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: