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Historisches aus dem Leben der Raucher

Eine Raucherkneipe verlässt man in der Regel mit beschwingten Schritten

Eine Raucherkneipe verlässt man in der Regel mit beschwingten Schritten

Und nun zu meiner schönsten Erinnerung an die Nationale Volksarmee. Die Offiziere hatten gewiss alle ihre Qualitäten, aber in deutscher Rechtschreibung und Grammatik waren sie nicht besonders gut. Auf der anderen Seite hatten sie den Ehrgeiz, jede Menge Dokumente herzustellen. Dafür bedienten sie sich der wehrpflichtigen Soldaten, die ihrerseits für den Druckposten als Schreiber dankbar waren. Es gab Kompanieschreiber, Bataillonsschreiber, Stabsschreiber, Regimentsschreiber, Verpflegungsstellenschreiber. Man wurde als Schreiber zu Übungen und Manövern kommandiert. Die Schreiber schrieben auf alten Schreibmaschinen und durften sich nicht vertippen. Der Gebrauch von Tipp-Ex war verboten. Wer sich verschrieb, musste noch mal von vorne anfangen. Neben den Schreibern gab es auch die Zeichner. Dokumente mit Zeichnungen und Karten sowie Plakate liebten unsere Kommandeure besonders. Jeder Kommandeur versuchte mit seinen Dokumenten und Karten vor den anderen Kommandeuren zu glänzen. Als wären sie es gewesen, die die Schreiber zu Höchstleistungen geführt hätten. Was das mit dem Rauchen zu tun hat, will ich gleich sagen. Bei der Armee dehnt sich die Zeit ins Unendliche. Deshalb rauchen sie alle wie die Schlote. Ein Päckchen Zigaretten ist im Nu verraucht. Die Offiziere griffen in ihre Taschen und schickten die Schreiber und Zeichner Zigaretten holen. Marke Club oder Cabinett oder Semper. Wenn sie großzügig waren, konnten die Schreiber das Restgeld behalten. Schachtel Club 4 Mark, da blieb am Schreiber meistens eine Mark hängen. Eine Großzügigkeit, die ihn allerdings nicht davonabhielt, das Päckchen, bevor er es dem Auftraggeber überreichte, vorsichtig an der Banderole zu öffnen, zwei, drei oder auch vier Zigaretten für den privaten Gebrauch zu entnehmen, die Schachtel an der Banderole wieder zuzukleben und auszuhändigen. Die Offiziere haben nie etwas gemerkt. Ab und zu stöhnten sie, wie schnell so ein Päckchen wieder leer war. Dann lachten sich die Schreiber und Zeichner ins Fäustchen. Sie wurden immer frivoler. Es kam vor, dass sie bis zu sechs Zigaretten aus einer Packung entnahmen; das war dann aber wirklich das Maximum. Wenn man so will, hatte sie sogar die Moral auf ihrer Seite. Dass Rauchen der Gesundheit schadete, wusste man schon damals. Und indem die Schreiber und Zeichner auf ihre ganz eigene Art den Zigarettenkonsum des Offizierskorps einschränkten, waren sie in Sachen Gesundheitsfürsorge unterwegs und konnten größere Schädigungen der Atemwege der Kommandeure abwenden.

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