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Eingemauerter Urlaub

Am Pool in der schönen Normandie, von deren Schönheit man hier nicht viel sieht © Christian Brachwitz

Am Pool in der schönen Normandie, von deren Schönheit man hier nicht viel sieht
© Christian Brachwitz

Wie schön ist ein Urlaub zwischen weißen Mauern und Kübelpflanzen, ein Leben neben dem Pool? Sonne nur für uns? Wasser nur für uns? Himmel nur für uns? Reglementierte Natur? (Nur für uns).

Es lächelt der See, er ladet zum Bade, wie in Schillers Tell. Der Pool lächelt sicher nicht. Er lädt vielleicht noch zum Bade, aber das Bad mit der Menge ist doch noch was anderes. Wenn wir zum See liefen, früher: Es ging am Schützenhaus vorbei. An Bunkerresten. An einer Moorabstichstelle. An von Gräben durchzogenen Wiesen. An einer Quelle. Wo man noch mal trinken konnte, denn der Weg in der Hitze hatte die Jungs durstig gemacht. Der See war hinter einem Waldstück verborgen. Wenn man von ihm nichts gewusst hätte, erahnen hätte man ihn nicht können. Aber wenn man die vorletzte Biegung des verschlungenen Wegs erreicht hatte, sprang einen plötzlich das vielstimmige Geräusch der Lust am See an. Dann konnte man es kaum noch erwarten. Klamotten aus und rein ins Wasser. Zu den vielen, den glitzernden Körpern, schönen und weniger schönen. Rausschwimmen. Tauchen. Sich aufs Handtuch legen und von der Sonne trocknen lassen. Den Badelärm als angemessen empfinden.

Das fällt bei einem Urlaub am Pool, zwischen Mauern und Kübelpflanzen, natürlich weg. Die Ruhe kann himmlisch, aber auch tödlich sein. Ein Abenteuer bleibt. Der Pool kann überlaufen, wenn die Privatiers den Liegestuhl verlassen und ins Wasser fallen.

Und das noch. Wenn der Konkursrichter Erwin Caldwell aus Austin/Texas in Lars Gustafssons Roman „Die Sache mit dem Hund” nicht schlafen kann – etwa nachts um drei – begibt er sich aus dem Bett zum Swimmingpool, schaltet den Poolreiniger an und verfolgt die unkalkulierbaren Wege des elektronischen Monstrums. „Dämon, Diener, Haustier? Wie soll ich ihn nennen”, sinniert der Richter. „Für mich ist dieser merkwürdige Apparat eine Art Freund geworden … Irgendwie setzt er Ideen frei, die ich in meinem normalen Zustand nicht zulassen würde.” Falls es zu einer Welt ohne Freunde kommen sollte: Da ist noch der Pool, und da ist der Poolreiniger.

 

 

 

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