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Doping, Sperre, Lügenpresse

„Der deutsche Sport geht reumütig vor einer Athletin in die Knie.” So steht es in der FAZ. Es geht um die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, die wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt wurde ohne Vorliegen einer positiven Dopingprobe. Es war nur eine Auffälligkeit des Blutwerts vorhanden, ein sogenannter indirekter Beweis. Claudia Pechstein hat immer beteuert, nicht gedopt zu haben. Sie konnte ein Gutachten vorweisen, das als Erklärung für den auffälligen Blutwert eine von ihrem Vater ererbte Blutanomalie anführte. Es nützte ihr nichts. Schwerer als die Sperre wog noch der Makel als Betrügerin, der von nun an ihr haftete; sie war als Sportlerin und Mensch erledigt. Das hat auch Pechstein so gesehen. Für sie gab es nur die Alternative, in den sechzehnten Stock zu gehen oder zu kämpfen. Pechstein kämpfte. Sie kämpfte, nach Ablauf der Sperre, nicht nur erfolgreich als Vierzigjährige auf dem Eis; sie kämpfte sich auch durch alle möglichen Instanzen für Rehabilitierung und Schadenersatz. Nun hat das Oberlandgericht München erkannt, dass es im Fall Pechstein keinen Beweis für Blutdoping gibt. Die Sperre des Internationalen Eisschnelllaufverbandes war offensichtlich willkürlich und nicht auf der Höhe des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes. Claudia Pechstein war ein Opfer.

Dieselbe FAZ äußerte sich vor gar nicht langer Zeit in Gestalt ihrer Redakteurin Evi Simeoni so: „Wer schützt uns vor Claudia Pechstein? Wen darf die wildgewordene Eisschnellläuferin eigentlich noch alles als Pfeife und beruflichen Versager hinstellen, bevor jemand sie bremst?”

Welche Erkenntnisse hatte die Kollegin Simeoni, dass sie zu dieser Frontalattacke ansetzen konnte? Dazu äußert sie sich nicht. Ja, wie auch. Offensichtlich hat es ihr nicht gepasst, dass eine Sportlerin (und noch dazu eine aus dem Osten) bereit ist, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln für ihr Recht zu kämpfen. Wenn nun der Deutsche Olympische Sportbund Claudia Pechstein um Entschuldigung bittet, darf man fragen: Wie steht es um die FAZ? Wie steht es um die Redakteurin Simeoni? Sehen sich die Medien außerhalb des Fairplay? Außerhalb der Regeln eines zivilisierten Zusammenlebens?

Vielleicht ist es ja auch das, was sie in Dresden so hilflos wie aus voller Überzeugung „Lügenpresse” rufen lässt. Natürlich lügt die Presse nicht. Aber sie wertet, sie selektiert, sie fällt Urteile, sie lässt aus, sie erhebt sich über die Wirklichkeit, sie wird ihrem Anspruch, objektiv zu sein, immer öfter nicht gerecht, und sie maßt sich an, selber Politik machen zu wollen. Ein Politiker muss die Verantwortung für das, was er verkündet, übernehmen. Die Medien haben sich daran gewöhnt, mit steilen Thesen Auflage zu machen oder zu halten, aber sie haben sich noch viel mehr daran gewöhnt, dass anschließend niemand fragt, was sie für einen verblendeten Unsinn von sich gegeben haben und was sie dazu berechtigt, mit voller Absicht unseriös zu sein. Und das kann nicht so bleiben.

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