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Geht doch

Jeder Rekord hat auch seine Kehrseite. Bayern München hat in einem einzigen Spiel der Rückrunde so viele Gegentore hinnehmen müssen wie in der gesamten ersten Halbserie. Das darf man dann einen Negativrekord nennen.

Aber klar. Im Fußball geht es nicht um Rekorde, sondern um Punkte. Rekorde im Fußball sind nur die mediale Begleitmusik, die dann ertönt, wenn den Reportern und Kommentatoren zur Sache selbst nichts mehr einfällt. Dann stimmen sie die Hymne an, welchen Rekord der FC Bayern München jetzt schon wieder gebrochen oder aufgestellt hat. Rekorde, die nirgendwo offiziell verzeichnet sind und die man Lyrik nennen könnte, wenn das nicht ungerecht der Lyrik gegenüber wäre.

Wichtig ist vor allem, dass wir gestern sahen: Die Bundesliga könnte wieder spannend werden. Vielleicht noch nicht in dieser Saison, aber wohl dann in der nächsten. Der VfL Wolfsburg besiegte den mehr oder minder feststehenden Meister, der in der gesamten Hinserie unbesiegt geblieben war, klar mit 4:1. Es ist also möglich. Aber wie konnte das geschehen? Jedes Spiel hat seine eigene Dramaturgie, aus der sich eine ganz eigene Dynamik ergeben kann. Der VfL macht in der 4. Minute das 1:0. Balleroberung im eigenen Strafraum, drei Pässe, Schuss, Tor. Der Spielzug war so schnell und überzeugend, dass Bayerns Torhüter Manuel Neuer nicht mal wie sonst üblich auf Abseits reklamierte. Das frühe Tor spielte natürlich den Wolfsburgern in die Füsse. Sie wurden mutig und mit ihrem One-touch-Fußball auch spielerisch besser als die Bayern. Auffällig, wie überlegen die jungen Männer im Wolfsburger Mittelfeld mit ihrer Lauffreude den betagten WM-Helden zweier Nationen auf der Gegenseite waren. Und dann kommt zum psychologisch günstigsten Zeitpunkt, in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit, das zweite Tor. Und wieder hat Neuer keine Gelegenheit zu reklamieren, es war ein Fernschuss von Bas Dost, und das Tor hat ihm auch noch der Bayer Lewandowski mit einem missglückten Abwehrversuch aufgelegt. Und wieder zum psychologisch günstigen Zeitpunkt, früh in der zweiten Halbzeit, als die Bayern auf den Anschlusstreffer drängen, fällt das 3:0 nach einem Superpass von Maxi Arnold, mit seinen 20 Jahren schon eine der prägenden Gestalten dieser Wolfsburger Mannschaft.

Sagen wir es so: Nicht die Bayern spielten schlecht. Die Wolfsburger spielten einfach überragend. Ihnen fehlte es nicht an Mut, ihnen fehlte es nicht an Klasse, ihnen fehlte es nicht an Kaltblütigkeit. Was war bei den Bayern zu sehen? Nachdem die Wolfsburger mit ihrer läuferischen Überlegenheit die Mittelfeldspieler Schweinsteiger und Alonso abgemeldet hatten, fehlte den Münchnern ein Konzept. Dante, dem es merkwürdig an Körperspannung fehlte, sollte das Spiel von hinten heraus aufbauen, das waren in der Regel leicht vorhersehbare Abspiele. Robben zerfranste sich in Einzelaktionen. Thomas Müller verging schnell die anfänglich überschäumend gute Laune und von Lewandowski war wenig zu sehen. Die Liga könnte wieder interessant werden, auch wenn nur wenige Teams so viel Potential haben wie Wolfsburg.

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