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Das Genie muss hungern

Noch ein paar Schritte bis zum Grill Royal

Noch ein paar Schritte bis zum Grill Royal, irgendwo hier muss es sein

Manchmal glaubt man beim Lesen der Zeitung seinen Augen nicht zu trauen. Ich rede jetzt nicht über die Betonköpfe im vorderen Teil, die den Konflikt mit den Russen verschärfen möchten und sich die Krise ihres Blattes (es wird immer teurer und dabei dünner und fadenscheiniger) insgeheim damit erklären, dass es in Thüringen demnächst einen Ministerpräsidenten der Linkspartei geben könnte, nicht über sie rede ich, sondern über den freien Autor im Feuilleton, der offenkundig beleidigt ist, dass die FAZ ihn zur Plattenvorstellung Herbert Grönemeyers ins Berliner Grill Royal geschickt hat. Herbert Grönemeyer ist weit unter seiner Würde, das Grill Royal ist weit unter seiner Würde, und auch die versammelten Journalistenkollegen sind weit unter seiner Würde, denn Herr Ungerer fühlt sich als Nachfahr des legendären Gerichtsreporters Sling, kommt bei Grönemeyer auf die Weltkriegsromane von Arnold Zweig zu sprechen und verweist gerne auf dieses oder jene Buch, das er selbst geschrieben hat. Und nun sitzt er da, muss eine Stunde auf Grönemeyer warten und sich seine Songs (Deutschrock aus den Neunzigern!) anhören, sitzt unter lauter mittelmäßigen Journalistentypen, die blauäugig und gläubig Grönemeyer-Episoden erzählen, und seine Laune wird immer mieser, vor allem, weil er zu wenig Bier und zu wenig Schnittchen bekommt. Da fragt er sich natürlich: warum ich nicht, und warum kriegen die anderen so viel. Ich könnte es ihm verraten. Offensichtliche sind die Servicekräfte nicht so blöd, wie er meint, und haben in ihm den notorischen Nassauer erkannt. Da machen sie sich einen Spaß daraus, die Schnittchen haarscharf an seiner Nase vorbei zu den blassen Kollegen zu tragen, und das Genie muss hungern. Zur Rache zitiert er oder es (das Genie) Grönemeyer, der dann endlich auftaucht und für Ungerer wie Berti Vogts aussieht, nur in indirekter Rede. Ich vermute mal, Grönemeyers Sätze werden, durch Ungerers Mühle gedreht, nicht gerade besser.

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