Startseite > Tatort TV > Die Opfer des zweiten Traums

Die Opfer des zweiten Traums

Herbst in Berlin, Endzeit im Tatort

Herbst in Berlin, Tatort-November

Wie kann man zeigen, dass man keinen Ehrgeiz besitzt? Indem man einen Tatort-Krimi „Vielleicht” nennt. Um bestimmte Dinge machen wir uns hier beim RBB keine Birne. Man war vielleicht (da haben wir’s schon wieder, aber wenigstens nicht als Titel) so fasziniert davon, dass man sich im Genre des Psycho-Thrillers versuchte, dass man anderweitig alle Sorgfalt aufgab. Die norwegische Psychologie-Studentin Trude ist mit der Gabe des Zweiten Gesichts geschlagen. Sie träumt Morde. Morde, die dann, Wochen später, wirklich geschehen. Sie warnt die potentiellen Opfer. Sie geht zur Polizei und meldet ihre Träume. Die Polizei nimmt das nicht ernst. Da tauchen genügend Spinner und Denunzianten auf. Aber was geträumt wurde, es geschieht. Die Polizisten streuen Asche aufs Haupt und ermitteln. Trude wird sich selbst unheimlich und den Ermittlern auch. Der Polizeipsychologe versucht, rationale Erklärungen zu finden. Selten sah man einen Krimi, in dem der Täter so allgegenwärtig ist. Kaum aber ist er gefasst, verlieren die Filmschöpfer jegliches Interesse an ihm. Er verschwindet von der Bildfläche. Nichts über seine Motive, seine Vorgehensweise. Was interessiert uns unser Tun von gerade eben. Es gibt einen zweiten Traum. Eine zweite Bluttat. Und wieder geschieht, was geträumt wurde, und hier nun strecken die Tatort-Macher vollends die Waffen. Wir erfahren nichts über die Opfer, nichts über den Täter, nichts über eventuellen Verbindungen. Den Jungs vom RBB sind ihre eigenen Fälle gleichgültig. Sollen die Zuschauer gefälligst selbst weiter ermitteln; sie haben ja genug Tatort-Erfahrung.

Es war der letzte Tatort von Kommissar Felix Stark, uns nachhaltig ins Bewusstsein gerückt von Boris Aljinovic.

Stark befragt. Stark zeichnet Opfer und Tatorte aufs Papier. Stark belehrt seine jungen Mitarbeiter. Stark bewegt sich wie ein Urlauber. Stark bittet um Begleitung. Stark ordnet an. Stark grübelt. Stark ist nicht danach, mit dem Polizeipsychologen ein Bier zu trinken. Stark sagt: Das ist ’ne Scheißsituation. Stark macht sich Vorwürfe. Stark zieht die schusssichere Weste an, zieht sie aus, versteckt sie unterm Schreibtisch. Stark mahnt. Stark stehen Tränen in den Augen. Stark sagt: Das ist ein Trick. Gehen Sie aus der Wohung. Mischen Sie sich unter Menschen. Stark bittet um Versetzung. Stark sagt: Wir verhalten uns ganz unauffällig.

Stark wird mit zwei Schüssen niedergestreckt.

Die Polizisten torkeln mit steifen Beinen durch den Tatort. Wie lebensgroße Puppen.

Das war ein Kommissar, den man immer ernstnehmen konnte. Ein Mann, bei dem man eine besondere Tiefe spürte. Ich weiß jetzt schon, dass ich ihn vermissen werde, ihn und seinen Kollegen Till Ritter (Dominic Raacke), der schon in dieser Folge fehlte.

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: