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Reden Sie mit mir

Auch in Sachsen-Anhalt geht es manchmal abwärts – schon wegen der Kriminellen

Auch in Sachsen-Anhalt geht es manchmal abwärts – schon wegen der Kriminellen

Die Magdeburger Polizeiruf-Macher sind nicht ohne Talent, wenn es darum geht, Polizisten wie eine Komiker-Truppe auftreten zu lassen. Am engagiertesten agieren die anhaltinischen Bullen bei einem blinden Alarm, und ihr Oberbulle, der Kriminalrat Lemp, ein Nichtsnutz vor dem Herrn, verletzt sich beim ungewohnten Außeneinsatz ohne Gegnereinwirkung in der frischen Luft und trägt fortan den Arm in der Schlinge, was dem Schauspieler Felix Vörtler seinen Job etwas leichter macht. Das Binnenklima des Kommissariats ist nach wie vor Hauptthema des Polizeirufs aus Sachsen-Anhalt, dazu gehört, dass Kriminalobermeister Mautz immer den Verdacht hat, seine Vorgesetzten bürdeten ihm zu viele Aufgaben auf; und diese Vorgesetzten, Hauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) und Hauptkommissar Jochen Drexler (Sylvester Groth), sind sich erst recht nicht grün, was vom griesen Drexler ausgeht, man weiß nicht warum. Reden Sie mit mir?!, fragt-fordert die Brasch mehrfach, und einmal sagt der früh gealterte Kommissar schlicht nö, das andere Mal ausführlich: Ich erklär Ihnen das später. Wenn sie der Hafer sticht und sie sich gegenseitig verletzen wollen, sagt Drexler: Wie geht’s Ihrem Sohn?, und die gute Doreen antwortet: Wie geht’s Ihrer Tochter? Das schmerzt. Der wunde Punkt der Kommissare ist ihr Privatleben. Es gibt eben auch keine Frau, die Herrn Drexler ordentlich anzieht. So sehen wir ihn weiter in seinem jämmerlichen schwarzen Trenchcoat, der aussieht, als wäre er zu weit, obwohl er eigentlich zu eng ist, wobei man sagen muss, dass der Kostümbildner die Leute insgesamt ziemlich anhaltinisch einkleidet.

Dem Feuilleton der FAZ gefällt sowas. Man (oder frau: Lena Bopp) bangt um die Kauzigkeit von Kommissar Drexler, er soll nicht plötzlich charmant und verbindlich werden, sondern so verdrossen und eigenschaftslos bleiben, wie er ist, sonst wäre der anhaltinische Polizeiruf kaum noch der Rede wert.

Über den Fall wiederum wird berichtet: Bombenexplosion im Supermarkt, weitere Bombendrohungen, Überfall auf den Containerhafen und dann: „Der Nachtwächter treibt tot im Fluss.” Ja, was ist er auch so ein Nachtwächter! Ansonsten wirklich ein wunderschöner Satz.

Wahr ist, dass sich die Ermittlungsarbeit mühsam dahinschleppt. Es wäre ja auch wenig originell, einen spannenden Krimi zu drehen. Man legt neben dem Binnenklima Wert auf eine gewisse Modernität, die sich darin zeigt, dass sagenhafte Superhirne fremde Computersysteme knacken und Videobänder manipulieren. Ich stehe vor dem Höhepunkt meiner Karriere, sagt ein zwielichtiger Professor. Das Gegenteil ist der Fall. Und als eine Ladung hochmoderner Smartphones kistenweise geklaut wird, hat man den Eindruck, dass der Untergang des Abendlandes unmittelbar bevorsteht. So schlimm kommt es am Ende nicht. Wäre ja auch seltsam, wenn die Apokalypse ausgerechnet von Sachsen-Anhalt ausginge.

 

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