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Die Proll-Polizisten

Geht alles zu Bruch, eh, fuck!

Geht alles zu Bruch, eh, fuck!

Der Polizeiruf aus Rostock ist längst nicht so beliebt wie der Tatort aus Münster, aber genauso unterirdisch. Während die Münsteraner aus Leibeskräften auf die Humor-Tube drücken, fällt den Rostockern das Komische wie von selbst in die Hände. Wer einen Krimi über einen schwer gemütskranken, Amok laufenden Familienvater „Familiensache” nennt, dem darf man ein gestörtes Verhältnis zur deutschen Sprache und eine intakte Beziehung zur Gedankenlosigkeit bescheinigen.

Das Volk will nicht tümlich sein, die Rostocker bestreiten das. Der Film beginnt mit einer Betriebsfeier im Politeipräsidium, das mit lauter hemmungslosen Prolls bestückt ist. Grobe Scherze, Ehebruch auf dem Klo, wüstes Geschrei, und Kommissarin König (Anneke Kim Sarnau) quatscht wieder mal inbrünstig mit vollem Mund. Man sieht förmlich die Krümel durch die Gegend fliegen. Wenn mir doch mal einer erklären könnte, warum Regisseure und Schauspieler diese Unsitte so schätzen („Es ist so natürlich! Und lustig.”) Am Tag danach haben die allesamt schlecht geführten Schauspieler einen schweren Kopf und spielen den Kater, den man nach solchen Nächten hat, volkstheatermäßig aus.

Kommissar Bukow (Charly Hübner) widerfährt das, was auch dem Täter geschehen hat. Seine Frau hat einen anderen und will sich von ihm trennen. Auf diese Parallelität scheinen die Schöpfer stolz zu sein. Bukow zeigt, wie ein richtiger Mann mit so einem Schicksalsschlag umgeht. Er dreht nicht durch wie der Amokläufer, er versucht nicht, die Familie mit Geld und Gut (das er nicht hat) zurückzuholen, sondern er spricht die Sache mit starken Worten an, blickt seiner untreuen Gemahlin ins Auge und verpasst seinem Nebenbuhler bei günstiger Gelegenheit einen Denkzettel in Form eines Armschusses. Kann passieren sowas, ob aus Versehen oder absichtsvoll spielt keine Rolle. Volkstümlichkeit Marke Rostock. Dazu gehört auch die Kommunikation von Kommissarin König, die wohl dringend therapiert werden müsste: „Die Scheiße brauchen wir jetzt echt nicht … Was soll der Scheiß? … Er soll sich auf seine Arbeit konzentrieren, nicht darauf, wo du deinen Scheißschwanz reinsteckst … Ist doch echt Scheiße … Fuck eh.” Um dann plötzlich zu einem tiefenpsychologischen Referat anzusetzen. Man glaubt ihr weder das eine noch das andere.

„Das ist die absurdeste Verfolgungsjagd, die ich je erlebt habe”, sagt Kommissarin König gegen Ende. So lobt sich der Rostocker Polizeiruf selbst.

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