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Die Braut war viel zu allein

Heiraten in Paris © Christian Brachwitz

Heiraten in Paris
© Christian Brachwitz

Der Fotograf fotografiert einen (Smartphone-)Fotografen, der eine Braut fotografiert. Irritierend ist schon, wie allein sie ist, mitten in Paris. Niemand, der die Schleppe hält. Die Herrichtungen für den schönsten Tag im Leben müssen perfekt gewesen sein, die Frisur, die Krone, der Brautstrauß, das nicht enden wollende Kleid. Das Gitter stört. Es macht die Braut zu einer Unnahbaren, Unberührbaren. Es lässt daran denken, dass die Ehe auch ein Gefängnis sein kann. Welches Mädchen hat heute noch eine festen Freund, sagte mal ein Mädchen, das dann doch bald eine Braut wurde und nicht viel später eine geschiedene Frau. Alleinerziehend mit Kind. Der Mann mit dem Smartphone kann die Braut als freie Frau fotografieren. Als freie und traurige Frau. Mit den Gedanken ganz woanders. Na klar, er ist der Bräutigam. Ich aber kann keine Braut sehen, ohne an Gottfried Benns Gedicht zu denken: „Sie aber lag und schlief wie eine Braut: am Saume ihres Glücks der ersten Liebe und wie vorm Aufbruch vieler Himmelfahrten des jungen warmen Blutes.” So mächtig ist die Poesie.

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