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Berlin Alexanderplatz (13): Der Senegal singt

Der Mann bestaunt den Platz, die Frau bestaunt den Mann. Links außen: Sagenhaft, wie kleine manche Damen sind

Der Mann bestaunt den Platz, die Frau bestaunt den Mann. Links außen: Sagenhaft, wie klein manche Damen sind

Ich laufe mit einer Schachtel Fish ’n’ Chips (ohne Sauce) über den Alexanderplatz, habe noch Zeit, aber nicht viel. In der Mitte des Platzes zwischen Weltzeituhr und Kaufhof steht der angebliche Schotte mit Kilt, Baskenmütze und Dudelsack. Er verfügt über die seltene Begabung, fast immer den falschen Ton zu treffen. Die Leute sind not amused. So viel Niveau gibt es noch in Deutschland.

Abass’ Songs haben den Tag gerettet

Abass’ Songs haben den Tag gerettet

Das Oktoberfest ist abgeräumt. Der Platz hat seine Weite wieder. Dicke Männer aus der Provinz mit Stock und Stauneaugen als hätten sie es geschafft bis ins Herz der Welt. Das ist der Alexanderplatz nun auch wieder nicht, wir geben es zu. Dicke Männer aus der Hauptstadt mit Bart, Glatze und Kapuzenshirt. Eine Lorelei mit hüftlangen blonden Haaren und weinrotem Schlapphut. Am Womacka-Brunnen sitzen die pflastermüden Touris mit einem guten Buch, mit einer bösen Plastiktüte und mit ungewaschenen Stoffbeuteln und sehen dem Sänger zu, der mit gekreuzten Beinen auf den Stufen sitzt und in die Saiten greift. Bald erfahren wir: Der Sänger kommt aus dem Senegal. Hat eine seltsame hellblaue Ballonmütze auf dem Kopf. Neben ihm steht ein kleiner Verstärker für die Gitarre und ein rotes Minifahrrad. Seine Lieder sind schnell, fröhlich und stabil. Es dauerte nicht lange, und die ersten Münzen werden in ein langes afrikanisches Schälchen geworfen, das in seinem Gitarrenkoffer liegt. Er bedankt sich und lacht. Seine Stimme ist heiser und biegsam wie eine Weidenrute. Manchmal fotografieren ihn sechs Leute gleichzeitig, und die Münzen fallen weiter. Ein Mann, der sich für einen Cowboy hält, baut sich neben ihm auf. Sehr distanziert. Möchte lieber Countrymusik hören. Eine Taube trippelt zur Musik dahin. Wer jung ist, hat in der Regel Primarktüten in der Hand, man meint, sie sollten glücklicher aussehen mit ihren Schnäppchen. Ich bin Abass, die Songs habe ich geschrieben, sagt der Sänger , ich spiele sonst mit meiner Gruppe Helele, das heißt Krawall, aber positiv. Du bist auch positiv, sagen wir, er lacht. Kann nicht widersprechen.

Die Sänger sollen fotografiert werden

Die Sänger sollen fotografiert werden

 

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