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Vor Lungenzügen wurde schon gewarnt

Noch mehr aus dem Leben der Raucher

Wenn ich ehrlich bin, spielte sich der größte Teil meiner Raucher-Karriere in Kindheit und Jugend ab. HJvE, der bei seinen Großeltern lebte und Nieschen Holz genannt wurde, weil der Opa, ein Freibankfleischer, Holz hieß, hatte die größten Freiräume von uns allen. Ganz hinten in einem unbestellten Garten hatte Nieschen Holz seine Höhle; da vervollkommneten wir unsere Ausbildung als Raucher. Das schlimmste, was passieren konnte, war, wenn einem auf den Kopf zugesagt wurde: Du paffst ja nur! Auf den Lungenzug kam es an. Andererseits waren wir vor Lungenzügen gewarnt worden, aber das half jetzt nichts mehr. Wir nahmen einen tiefen Zug, es stach in der Lunge, und im Kopf wurde man schwindelig. Die ersten zwei Stunden am Freitag hatten wir Werken. Opa Holz war mit seinem Freibankfleisch längst auf dem Markt, wir trafen uns in seiner guten Stube bei Nieschen Holz, rauchten die Zigarren des Opas und tranken sein Hellbier. Auch unser Zeichen- und Werkenlehrer, Herr Heppelmann, gab uns große Freiräume. Wir kamen immer zu spät und in desolaten Zuständen, aber er fand das amüsant.

Kautabak war doch eher was für reife Männer

Kautabak war doch eher was für reife Männer

Opa Holz war kein Fleischer, wie er im Buche steht. Wenn im Radio das Lied „Waldeslust” erklang, „Waldeslust, Waldeslust, oh wie einsam schlägt die Brust”, brach er zuverlässig in Tränen aus. Einmal hatte Nieschen Holz ein paar Päckchen Priem der Firma Hanewacker Nordhausen von seinem Opa mitgehen lassen. Arglos darauf herumkauend gingen wir zum Religionsunterricht und gaben vor Herrn Schmidt, einem Katecheten mit breiter Brust, auch noch an, bis Nieschen Holz plötzlich verdächtig heftig aufstieß. Der athletische Gottesstreiter packte ihn am Kragen und warf ihn aus dem frommen Raum. Im Fenster konnten wir sehen, wie Nieschen Holz gesenkten Haupts nach Hause ging und in seine pelzbesetzte Mütze spuckte. Die Freude war zerschlagen.

Einer aus der Bande von damals erzählte beim Altschülertreffen von einem Termin beim Arzt. Herr Burkhard, sagte der Arzt, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist: Hören Sie auf mit dem Rauchen. Hören Sie um Himmels willen damit auf. Lieber heute als morgen. Aber Herr Burkhard hörte nicht auf und fühlte sich weiter schlecht. Einmal saß er am Schreibtisch und zündete sich eine Zigarette an. Er sah auf den Aschenbecher, da lag die Vorgängerzigarette, qualmend und noch nicht mal halb geraucht. Ein Wahnsinn, dachte er. Das hat ihn endgültig überzeugt. Mehr als alle Einreden der Ärzte und Verwandten.

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