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Der Tag der Rose

Reet und Fachwerk – Welcome in Dahlem Fotos: Fritz-Jochen Kopka

Reet und Fachwerk – Welcome in Dahlem
Fotos: Fritz-Jochen Kopka

Der Regen reicht nicht aus, um den Besuch der Ehemaligen Königlichen Gärtnerlehranstalt in Berlin-Dahlem am Tag des offenen Denkmals zu verhindern. Männer folgen ihren Frauen, vornehmlich Rentner. Einer von ihnen wird von einer Dame aufgefordert, vor Beginn der Führung noch mal schnell zum Auto hinüberzugehen, neben der Handbremse müsse ein Päckchen Tempotaschentücher liegen, seiner Frau laufe doch die Nase. Nein, sagt die Frau, im Moment läuft sie doch gar nicht. (Ich hab’s schon mal gesagt und ich sage es wieder: Das Leben könnte viel einfacher sein, wenn jede Frau zwei oder drei Diener hätte.) Es gibt noch mehr Aufregung. Einige Rentner haben den Beginn für 12 Uhr, andere für 12.30 Uhr vermerkt. Herr Teske wird herbeitelefoniert vom Büro für Garten- und Landschaftsarchitektur, der selber ratlos ist, wie es zu dieser Ungenauigkeit kommen konnte, das ist die Natur, sagen wir mal, aber die menschliche in diesem Fall. Hartmut Teske, der Gartenarchitekt, lächelt. Er findet den richtigen Ton für seine rüstigen Gefolgsleute.

Manche Rose erlebt hier ihre fünfte Blüte

Manche Rose erlebt hier ihre fünfte Blüte

Die Schaugärten der Königlichen Anstalt wurden 1903 angelegt nach den Plänen von Theodor Echtermeyer. Vorgänger war eine von Peter Joseph Lenné 1827 konzipierte Anlage in Potsdam-Wildpark. Die in zwei Achsen angelegten Rosen- und Staudengärten boten den Gesellen und Studenten verschiedener Lehrreinrichtungen reichlich Sichtbezüge für das in der Theorie vorerst vage Angeeignete. Dem Zug der Zeit folgend, den wachsenden Städten mit explodierenden Bevölkerungen, wurden auf nebenliegenden Flächen Nutzgärten angelegt, Obst und Gemüse für die Ernährung. Die Schaugärten erfuhren in ihrer Geschichte etliche Umgestaltungen und Rekonstruktionen, obwohl der Gärtner gerne im Bestand arbeitet. Sie können auch zum Teil auf den Rasen treten sagt Herr Teske. Die Leichteren, ergänzen wir. Die sich dafür halten, wird weiter ergänzt.

Alle Sinne kommen zu ihrem Recht

Alle Sinne kommen zu ihrem Recht

Noch 1967 wurde der historische Rosengarten komplett mit einem Elementbau in Leichtbauweise überbaut, was schon einen recht barackenmäßigen Eindruck hinterließ. Obwohl von den Ursprüngen nichts mehr zu erkennen war, wurde die Anlage 1995 unter Denkmalschutz gestellt, was sie noch längst nicht rettete. 2012 endlich konnte der Garten nach den historischen Vorlagen und dem Plan des Büros Teske mit Lottogeldern wiederhergestellt werden. Die vier abgesenkten Rasenflächen (das sogenannte Bowling Green) des Rosengartens, in ihrer Mitte der im Vergleich zum Urzustand schlichter gehaltene Brunnen. Rosen wurde in verschiedenen Teilen Deutschlands, in Dänemark und Frankreich geordert. Die Düfte sind gleichwohl vornehm und intensiv.

Die Damen senken – Denkmalschutz hin, Denkmalschutz her – ihre spitzigen Nasen tief hinein. Durch Einkreuzungen der indischen Bengalenrose werden bis zu fünf Blühzeiten erreicht. Wenn doch der Gärtner am liebsten im Bestand arbeitet, fragen wir, wie kam es dann zu den häufigen Umgestaltungen und Rekonstruktionen. Spielt da auch der Selbstverwirklichungsdrang des Gartenarchitekten eine Rolle? Kann man nicht ausschließen, sagt Herr Teske. Auf der anderen Seite wollten die Gärtner eben immer auch modern sein. Und die Zukunft? Bleibt jetzt alles, wie es ist, oder existieren schon wieder Ideen? Herr Teske gestattet sich ein paar Andeutungen, um so versonnen wie optimistisch zu schließen: Vieles ist denkbar.

Kiefer aus dem Urbestand

Kiefer aus dem Urbestand

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