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Eine gute Schützin

Der Schweizer Tatort, also der aus Luzern, hat keine guten Karten in den deutschen Medien. In der Regel wird ihm vorgehalten, dass er etwas zurückgeblieben und zu langsam sei. Und wenn er dann mal schneller ist und sich einem Schweizer Kerngeschäft, den Banken, zuwendet, heißt es hier und da, wie ärgerlich es doch sei, dass der Kommissar Flückiger (Stefan Gubser) dieselben Fragen stelle wie Lena Odenthal. Was soll er denn machen, Jugendfreunde. Er muss doch fragen, wo der Verdächtige zwischen acht und zehn gewesen ist. Auch wenn die Schweiz eine große Tradition hat (Glauser, Dürrenmatt), sie kann das Rad nicht neu erfinden und den Krimi auch nicht. Dieser jetzt, „Verfolgt”, war so übel nicht. Der Mann auf der Flucht, die Frau mit dem Kind, die Oma mit dem Hund. So fängt es an. Der Flüchtige schlägt einen Mann nieder, die Frau mit dem Kind wird von Angst gepackt, der Hund der Oma hat eine blutige Pfote: da haben wir die erste Tote, der Hund ist in die Blutlache getappt. Sie machen ja alles viel lauter, die Ausländer, sagt die Oma, deren Hund so laut bellt, dass Kommissar Flückiger kaum eine Frage an sie richten kann, er hat sowieso einen Hundekomplex, und einen modischen Spitzbauch hat er auch. Seine Kollegin Liz Ritschard (Deila Mayer) ist eine stille, ernste, leicht verhärmte Schönheit, und wenn man sich fragt, was sie in den Tatort aus Luzern einbringt, nun, sie ist eine gute und unerschrockene Schützin, so dass sie den Reto Flückiger aus der Umklammerung des Geiselnehmers befreien kann. Zu einem Standard im deutschsprachigen Krimi ist die höhere Instanz geworden, der Staatsanwalt oder die Staatsanwältin, der Dienststellenleiter, hier ist es der Regierungsrat Mattmann, verknöcherter Bürokrat, der ständig Sand ins Getriebe der Ermittlungen streut und mit den korrupten Mächtigen kooperiert. Warum darf der überhaupt noch arbeiten, der sieht doch mindestens wie achtzig aus!

„Wir haben es hier mit hochkomplexer Kriminalität zu tun”, sagt der Verfolgte, der auch ein Täter ist. Gegen diese hochkomplexe Kriminalität können die Kommissare nur Teilerfolge erzielen. Ach ja. Ganz oben in der Hierarchie der hochkomplexen Kriminellen steht ein deutscher Staatssekretär, der sich gar nicht wieder einkriegt in seinem schleimigen Lob der Schweiz. Eine plakative Gestalt, zweifellos. Sowas müssen wir uns nicht gefallen lassen, wir guten Deutschen. Zur Vergeltung schreibt die Qualitätszeitung FAZ konstant Flückinger statt Flückiger. Aufwachen, Mädels!

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