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Meuffels bleibt allein

Sie finden noch nicht mal ein Café

Sie finden noch nicht mal ein Café

Der Krimi am Sonntagabend ist nach der unverdienten Sommerpause wieder da, als Polizeiruf 110 „Morgengrauen” aus München. Hanns von Meuffels, der sich nie als Hanns von Meuffels vorstellt , ermittelt in der Justizvollzugsanstalt und nutzt die Gelegenheit, sich in die Gefängnisdirektorin Karen Wagner zu verlieben, Matthias Brandt in Sandra Hüller, Sandra Hüller in Matthias Brandt. Befangenheit trifft auf Befangenheit, Schüchternheit auf Schüchternheit, Unbeholfenheit auf Unbeholfenheit, es ist von Anfang bis Ende faszinierend, bedrückend und erheiternd zu sehen, wie gestandene Leute zu Pennälern werden, denen die Worte nicht mehr gehorchen, wenn sie jemanden treffen, der ihren Puls beschleunigt. Warum ist das so. Wagner und Meuffels haben  kein Glück gehabt im Leben mit der Liebe, jedes Mal, wenn es sie erwischt, glauben sie, es könnte ihre letzte Chance sein, das Single-Dasein zu beenden, und nicht zuletzt ist ihr Job so vordergründig, dass er ihre Gespräche beherrscht. Kein Platz für Romantik und geistreiche Flirts.

Meuffels ergattert Karten für einen ausverkauften Gustav-Mahler-Lieder-Abend. Da sitzen sie nun nebeneinander, die Frau, der Mann, beobachten sich aus den Augenwinkeln und empfinden. Da gehen sie durch das nächtliche München und finden nicht mal ein Café. Was ich an Mahler mag, sagt Meuffels, wenn es ernst wird. Wenn die Männer verlassen werden …

Ich wache immer um drei Uhr morgens auf, sagt Wagner.

Das ist die Dämonenstunde, bemerkt Meuffels.

Hab ich gedacht, in den Zellen, jetzt quälen die Starken die Schwachen.

Trotz solcher bekennender Momente gelingt es Meuffels nicht, den größten Fehler zu vermeiden. Er erliegt den Einflüsterungen seines alten Schulfreunds Steiner (Axel Milberg), kann sich nicht wehren gegen den verhängnisvollen Verdacht, der sich aufdrängt, zweifelt an seinen Gefühlen und der Liebsten. Während er schon im Netz gegen sie ermittelt, klingelt sie in liebevoller Erwartung an seiner Tür. Was er tut, mag für den Kommissar unerlässlich sein, für den Liebenden ist es unverzeihlich, und die Gefängnisfrau verzeiht ihm auch nicht. Es ist Meuffels’ Schicksal, allein zu bleiben, der Lonely Boy mit dem verquollenen Gesicht, der Unbehauste, der es noch nicht einmal zu einer eigenen Wohnung bringt und stattdessen in einer Pension lebt. Wir leiden mit bei diesem von Alexander Adolph inszenierten, aus der Polizeiruf-Reihe herausragenden Film.

 

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