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Besser als gezogen werden

Ich könnte mich in der Rolle des ängstlichen Kindes sehen …  © Christian Brachwitz

Ich könnte mich in der Rolle des ängstlichen Kindes sehen …
© Christian Brachwitz

In solchen Städten hast du keine Chance, sagte einer. Aber er meinte Zwickau. Und dies ist eine andere Stadt. Eine Kleinstadt. In der du auch keine Chance hast. Die Straße läuft auf zwei trostlose Häuser zu. Wenn dort mal nicht das Ende der Welt ist.

In solchen Städten trägt man Gummistiefel. Und geht von Müllbehälter zu Müllbehälter. Und man geht schon lieber auf der Straße, weil der Bürgersteig aus einer unzumutbaren Schottermischung besteht, mal eben so abgeworfen und halbglatt gezogen. Die Mauer bröckelt. Was hält, sind Zäune und Hecken. Die Abgrenzug. Das Klingelschild trägt keine Namen mehr. Der Optimismus ist bei den Kindern und nur bei ihnen. Mit dem Ziehwagen über den Schotter. Das Mädchen im Stile der Wolgaschlepper. Der Bruder wird gefahren. Liegt flach wie eine Briefmarke auf dem holpernden Wagen, die Hände umklammern krampfig die Gitterstäbe. Das Gesicht ist bleich. Manchmal ist Ziehen doch besser als gezogen werden. Nicht, dass das Kind am Ende noch spucken muss. Dann haben wir die Bescherung. In der Kleinstadt. Irgendwo im Osten. Irgendwann vor fünfunddreißig Jahren.

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