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Heil Hitler, Mama

Gefährlich ist es allemal

Gefährlich ist es allemal

Der Polizeiruf aus Magdeburg steckt in den Kinderschuhen. Seine größte Heldentat besteht bis jetzt darin, dass er Schauspieler erster Güte als Ermittler verpflichtete, Claudia Michelsen spielt Doreen Brasch, Sylvester Groth ist Jochen Drexler. In dieser zweiten Folge kriegen die Macher Arbeit und Leben der problematischen Ermittler-Existenzen nicht mit der traurigen Geschichte eines Kosovo-Veterans, der nach seiner Kriegerlaufbahn Sozialhelfer wurde, unter einen Hut. Wenn so ein Film „Abwärts” heißt, dann ist das schon mal ein Hinweis darauf, dass die Filmschöpfer ihre Geschichte selbst nicht so recht verstanden haben, ihnen fällt allenthalben zu wenig oder zu viel ein. Da gibt es ein Dutzend blasser Figuren mit uneinprägsamen Namen, so dass man als Zuschauer ständig überlegen muss, um wen es gerade geht. Zu den Ermittlern kommt nun auch in Magdeburg die in letzter Zeit beliebte Figur des Berufsanfängers, der den ausgekochten Profis auf die Nerven geht. Dabei ist der junge Mautz (Steve Windolf) ganz okay, er hat nur eben keine Lust, am Schreibtisch zu versauern und vom griesen Drexler unentwegt abgewiesen zu werden. Warum brauchen wir neben all den blassen Gestalten im Täterumfeld noch die unglückliche Tochter Drexlers (die der Vater in ihrer Not nicht mal bei sich wohnen lässt), ihren brutalen Mann und den rechtsradikalen Sohn von Frau Brasch und dessen ebenso rechte Freundin? Den Brasch-Sohn doch wohl nur, damit der im Knast, wo er nicht zu unrecht einsitzt, seiner Mutter zum Abschied sagen kann: Heil Hitler, Mama. Sowas gefällt dem Regisseur als Drehbuchschreiber. Da können wir nur sagen: Kill your Darlings. Der Drexler lässt übrigens in gefährlichen Situationen stets seiner Kollegin den Vortritt. Er hat seine Prinzipien, und dies noch mal extra, wenn es um seinen schrottigen PKW geht. Da ist es ihm auch egal, ob er einem Tatzeugen die Zunge lösen könnte. Kann ich eine rauchen? – Nee, nicht in meinem Wagen. Den Gestank krieg ich ja nie wieder aus.

Der Kriegs-Veteran, der den Einstieg ins gewöhnliche Leben nicht mehr schafft – auch diese Gestalt ist in den Krimis hierzulande heimisch geworden. Kann es da neue Sichten geben? Kaum. Peter Ruhler (Peter Jordan) versucht die Reintegration über soziales Engagement und extensiven Sport. Nach einem dramatischen Zwischenfall in der Straßenbahn dreht er durch. Er ist sowohl auf der Flucht wie auch auf der Jagd, geistert immer gespenstischer durch den Film, geflossenes Blut verkrustet auf der Haut wie ein zweites (das wahre?) Gesicht. Am Ende folgt die große, gefühlvolle Ansprache der Ermittler an den Täter: Peter, ich weiß, was du mitgemacht hast. – Nichts wisst ihr.

Die Ansprache rettet auch nichts mehr.

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