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Bela Rethy klärt auf. Unabsichtlich

Wer die Kunst des Lippenlesens beherrscht (wie etwa ich), konnte erraten, dass die deutschen Spieler den Text ihrer Nationalhymne nicht beherrschen, von jenen mal abgesehen, die nicht nur nicht so taten, als sängen sie mit. Man fragt sich, woran das liegen mag. Ich suche die Schuld nicht zuerst bei den Spielern, von denen ich sicher weiß, dass sie sich Worte, Zeilen und ganze Strophen merken können. Ich glaube viel mehr, dass der Text der deutschen Nationalhymne doch nicht ganz so signifikant ist, wie wir immer glauben, mit dieser Handvoll abstrakter Begriffe. Die Melodie ist okay. Aber um den Text sollten wir uns kümmern. Wir haben doch einen so energischen und selbstgefä …, äh, … bewussten Bundespräsidenten, vielleicht kann der da was ausrichten, aber nicht, dass er nun vorschlägt, dass wir wieder Deutschland, Deutschland über alles singen, das möchte ich bitte nicht.

Wir hatten Bela Rethy an unserer Seite, um das Spiel gegen Algerien mit der richtigen, ich sag mal, Heimatliebe anschauen zu können. Der Schiedsrichter, ließ er uns wissen, bevor noch irgendein Ball rollte, wird sehr aufpassen müssen: „Wir erwarten von den Nordafrikanern ein sehr körperbetontes Spiel.” Was heißen sollte: Das sind Holzhacker, die unseren begnadeten Edelkickern ordentlich auf die Socken geben werden. Außerdem sei die Mannschaft extrem defensiv aufgestellt – die wollen sich also ins Viertelfinale mauern.

Bei der Einblendung der Aufstellungen fehlte übrigens bei Bastian Schweinsteiger und nur bei ihm der Vorname. Sollte das unterstellen, dass er Schwein Steiger heißt? Ich weiß ja nicht.

Und dann rutschte uns guten Deutschen angesichts der ach so defensiven Algerier das Fußballerherz in die Hose. Die Jungs hatten ein echtes Konzept, was man bei uns total vermisste, und spielten unsere Abwehr ein ums andere Mal aus. Manuel Neuer bekam der Fußballkrieg wie eine Badekur, er konnte endlich, was er am liebsten tut, sein Tor verlassen und das gesamte hintere Drittel des Spielfelds befrieden, auch wenn das manchmal komisch aussieht. Deutscher Spielwitz sah nach Bela Rethys Worten so aus: Lahms Idee war, den Ball nach rechts zu spielen. Und mehr Ideen waren wirklich nicht. Positives wusste Rethy über Jerome Boateng zu vermelden. Der könnte auch so schnell sein wie die Algerier – „wenn er sich rechtzeitig entscheiden könnte, loszulaufen”. In der Verlängerung wurde noch alles gut. Thomas Müller, der sich nicht so recht entscheiden kann, ob er lieber Goalgetter oder Komiker sein will, brach links durch, flankte, Schürrle rauschte heran: Das macht er mit der Hacke, schrie Bela Rethy, das macht er mit der Hacke. Und dann gab er die Erklärung, warum das Spiel so lief, wie es lief. „In Brasilien hat die deutsche Elf ein unglaubliches Image.” So muss es sein. Der brasilianische Schiedsrichter Sandro Ricci benachteiligte die Algerier konsequent das ganze Spiel über. Er gab keine rote Karte und keinen Elfmeter, aber in den Zweikämpfen waren immer die Deutschen die Opfer. Nur als Philipp Lahm Yacine Brahimi die Hose zerriss, dachte der konservative Herr Ricci: Das sollten Männer nicht mit Männern machen, und zeigte gelb. Die Hose bezahlst du mir, dachte Brahimi, aber wie sagt man das auf Deutsch?

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