Startseite > Fußballfieber > Körpersprache

Körpersprache

Berlin Luxemburg-Platz. Irgendwo ist immer Fußball

Berlin Luxemburg-Platz. Irgendwo ist immer Fußball. Meistens da, wo auch Bier ist

Erst kommt der Sieg. Dann kommt der Hype. Das ist es ja, was mir die deutschen Siege (bei aller – ich sag mal – Freude) immer auch suspekt macht. Die Medien sind in ihrem Selbstverständnis dazu verpflichtet, dem Sieg des Teams noch einmal einen Sieg der Worte, der Hymnen und der Superlative aufzupfropfen. Sie nennen das neuerdings eine Erzählung des Spiels zu verfertigen. Eine Erzählung, in die alles Mögliche hineingepackt wird, was man zum Spiel hinzuerfinden könnte, wenn man das entsprechende Gehirn hat. Jetzt ist Deutschland Müllerland. Thomas Müller hat drei Tore gegen Portugal geschossen und indirekt für die Rote Karte des portugiesischen Abwehrspielers Pepe gesorgt. Und da gab es doch schon mal einen Müller, der Deutschland zum Weltmeister-Titel geschossen hat, Gerd Müller, den Bomber der Nation, ebenfalls FC Bayern München. Die Welt, titelt der Berliner Kurier, die Welt feiert unseren Tore-Storch. Das ist nämlich der Clou dieser Fußball-Erzählung, der Clou und die Innovation: Thomas Müller, der in der brütenden brasilianischen Hitze rennt und rennt und immer an der richtigen Stelle steht, um auf manchmal recht unorthodoxe Art einzunetzen, hat keine Muskeln. Das ist doch ein Phänomen. Er hat original Stöckerbeine, aber sie tragen ich überall hin.

Ich glaube schon, dass er Muskeln hat. Man sieht sie nur nicht. Sie sind unsichtbar (etwa so wie bei mir). Das ist auch nicht ungewöhnlich. Die klassischen Fußballer hatten nur selten begnadete Körper. Man schaue sich die Weltmeister von 1954 an. Die hatten richtige Gebrauchs- oder Funktionskörper, mit denen man bei keinem Schönheitswettbewerb zugelassen worden wäre. Das macht auch nichts. Muskeln sind oft nur Show. Ich habe einen muskelbepackten Typen gesehen, der keinen Klimmzug zustande brachte.

Nebenbei gesagt habe ich mich gefreut, dass die FAZ in ihrer Erzählung zum Spiel Deutschland gegen Portugal den Ball flach hielt. Bei uns klappte alles, bei den Portugiesen funktionierte nichts. Ich habe mich gewundert, wie gut wir und wie schlecht sie verteidigt haben. Und wenn du in der ersten Viertelstunde des Spiels einen umstrittenen Elfmeter gegen dich bekommst, dann wird aus dem Schwung Wut (rote Karte) und aus der Wut wird Resignation und aus der Resignation wird ein 0:4. Statt den Ball ins Tor zu schießen, laufen sich zwei Portugiesen gegenseitig um.

Tags darauf, Brasilien gegen Mexiko, heißt der Held nicht mehr Müller, sondern Ochoa. Guillermo Ochoa mit diesem merkwürdigen Haarband. Der mexikanische Torwart fällt mir schon auf, als er am Anfang des Spiels beruhigend auf seine Verteidiger einwirkt, als wisse er schon: Keine Sorge, an mir kommt heute kein Ball vorbei. Du wirst dich wundern, denke ich, aber dann fischt er einen sagenhaften Kopfball Neymars aus der Ecke, blockt einen Schuss Paulinhos aus nächster Nähe, entschärft einen verdeckten Schuss Neymars und einen Kopfball Thiago Silvas aus vier Metern Entfernung. Der brasilianische Stürmer Jo ist schließlich so eingeschüchtert, dass er den Ball gar nicht erst trifft.

Was Positives über Bela Rethy: Da ist keiner. Er köpft dahin, wo er selber steht normalerweise, sagt er über einen mexikanischen Stürmer. Mehr davon bitte.

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: