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Der Rest vom Russenfest

Er isst sein Eis auch gerne selbst Fotos © Fritz-Jochen Kopka

Er isst sein Eis auch gerne selbst
Fotos © Fritz-Jochen Kopka

Wir hörten diverse Soundchecks, wir hörten die Klänge der Deutsch-Russischen Schlagerparty, die russische Rocknacht begleitete uns im Halbschlaf, wir vernahmen die Gesänge der Prinzessin des russischen Ethno-Folk, aber als wir selbst das Gelände der Rennbahn betraten, sahen wir nur noch den Rest vom Russenfest, offiziell gesagt der Deutsch-Russischen Festtage, zum achten Mal in Berlin-Karlshorst veranstaltet, wo die Russen einst mehr oder weniger zu Hause waren, ich sage nur Klein-Moskau.

Viel geboten

Viel geboten

Die Bühnen waren bereits leer, die Techniker mit dem Abbau beschäftigt, aber die Grillkohle unter den Schaschlikspießen glühte noch, und der russische Schaschlik hat nach wie vor einen besonderen, irgendwie wilden Geschmack. Die Russen sind ja sehr: traditionsbewusst wäre zu wenig gesagt, traditionsgefangen vielleicht, angeblich wehren sie sich gegen die Moderne, was sich in der Ukraine-Krise zeigen soll. Und alle, die auch etwas gegen die Moderne haben, nennen wir nun Putin-Versteher oder so.

Mit wem ich mich nicht kloppen möchte

Mit wem ich mich nicht kloppen möchte

Es war gar nicht verkehrt, das Fest sozusagen beim Ausatmen zu erleben. Aus den Boxen drang kein Lärm mehr. Es zappelten keine bunten Folklorekostüme mehr herum, und die Familien, ja, es waren vorwiegend Familien, genossen die Ruhe nach dem Sturm und stopften sich mit Pelmeni, Piroggen und Erinnerungen voll, um mit Bier und Wodka nachzuspülen. Wir sahen viele stiernackige Männer. Keine Ahnung, ob das alles Russen waren. Auch ihren Muskeln war nicht recht zu trauen, wahrscheinlich trainieren sie nicht nur, sondern nehmen auch Hormonpräparate. Die Russen sind wieder russischer geworden, war mein Fazit, oder, noch positiver ausgedrückt: Sie sind wieder authentisch. Sie bekennen sich zu ihrer Seele, sie bekennen sich zu ihrer Schwermut, ihrer Leidensfähigkeit, ihrer Kraft und ihren rauen Sitten. Sie sehen, dass sie beobachtet werden, sie nehmen es gelassen hin, sie verstellen sich nicht. Es kann nicht falsch sein, über Russland nachzudenken, russische Bücher zu lesen und deutsche Vorurteile fallen zu lassen. Moskauer Eis gab’s auch. Schmeckt das noch so gut wie früher? Es schmeckt noch besser, sagte der russische Eisverkäufer, der selbst wie ein Eisberg aussah, nach einer kleinen Pause, und er sagte es mit einem ganz speziellen Charme.

Sie küssten und sie fotografierten sich

Sie küssten und sie fotografierten sich

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