Startseite > Fighters > Du lebst ja noch!

Du lebst ja noch!

Im Garten, Lehndorffstraßenseite, lag ein toter Vogel. Sowas ist immer ein trauriger Einschnitt. Es war kein gewöhnlicher Vogel. Er hatte einen roten Oberkopf, das Gefieder war schwarzweiß gesprenkelt. Ich grub ein ziemlich tiefes Loch und nahm den toten Vogel pietätvoll auf die Grabegabel. Da zuckte er zusammen. Du lebst ja noch, sagte ich zu meiner eigenen Überraschung. Ich ging rauf, tat etwas Wasser und Leinsaat und Sonnenblumenkerne in zwei kleine Schraubdeckel. Die Deckel stellte ich vor den Schnabel des Vogels. Sein Leib bebte heftig beim Atmen, aber den Kopf hob er nicht, er war anscheinend auch nicht in der Lage, zu fressen oder zu trinken. Jedesmal, wenn ich wieder vorbeiging, das selbe Bild. Die unberührten Deckel, der heftig atmende Vogel. Dann kam Andrea. Was machen wir denn mit dir, Vögelchen? Der Vogel hob den Kopf, etwas schief, und blinzelte mit dem rechten Auge. Andrea schüttete ihm etwas Wasser auf den Schnabel und streute ein paar Körner vor ihm aus. Da erhob sich der Vogel, flatterte hilflos mit den Flügeln und floh einen halben Meter weiter, dann war seine Kraft verbraucht. Er versuchte sich im Gebüsch zu verstecken, aber es gelang ihm nicht, die Betonumrandung des Beets zu überwinden. So lag er da und atmete mit bebendem Leib. Wir klingelten drüben beim Förster, der eigentlich kein Förster, sondern Mitglied eines Jagdvereins ist und einiges von Vögeln versteht, er hatte vor Jahren auch schon den Eichelhäher identifiziert. Sonderbarerweise ging er nicht allzu nahe an den Vogel ran, wusste aber sofort, dass es ein Buntspecht ist. Wusste aber auch, dass wir ihm gar nicht helfen konnten. Vielleicht war er gegen eine Fensterscheibe geflogen. Kann sein, dass er sich wieder erholt.

Später legte Andrea trockenes Gras und Grünschnitt neben den Buntspecht, das sollte so etwas wie ein Nest für ihn sein. Als wir nachsahen, hatte er auch diese Hilfeleistung nur einen Fluchtimpuls bei ihm ausgelöst. Wieder eine Flucht von einem halben Meter.

Am Morgen war der Buntspecht verschwunden. Hat ihn die Katze geholt? Dann müsste man Federn sehen. Vielleicht ist er wieder zu Kräften gekommen. Vielleicht hat er ein Versteck gefunden. Ein Vogel gibt nicht so leicht auf.

Das Nest, das der Buntspecht verschmähte

Das Nest, das der Buntspecht verschmähte

Kategorien:Fighters Schlagwörter: ,
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: