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Summertime Bunkertime

Ein paar Schriftzüge und der alte Bunker ist plötzlich hochmodern Fotos © Christian Brachwitz

Ein paar Schriftzüge, und der alte Bunker ist plötzlich hochmodern
Fotos © Christian Brachwitz

Kann es sein, dass man sich den Sommer immer schöner vorstellt, als er dann wirklich ist? Dass man die Mücken vergisst, den Heuschnupfen und dass einen die Hitze an manchen Tagen regelrecht umhaut? Da ist es schon besser, wenn man die Tage an der Ostsee verbringen kann, wo es Wind, Wellen und Salzwasser gibt, oder am Atlantik in Frankreich, zum Beispiel auf dem Campingplatz in Royon, wo es schon vor zwanzig Jahren ganz explizit um saubere Ferien ging. Wenige hundert Meter entfernt findet man vielleicht einen Bunker der deutschen Wehrmacht, Teil des Atlantikwalls, unter großem Aufwand aus viel Beton und kaum noch vorhandenem Stahl gegen die erwartete Invasion der Alliierten errichtet und dann wegen der geringen Verteidigungstiefe als untauglich erwiesen, ja, wenn man einmal anfängt, sich mit der Geschichte zu befassen, dann verblasst die Gegenwart, und die Architektur verdrängt das Martialische der Wehrhaftigkeit. Bei Wikipedia können wir lesen: „Der Architekturkritiker Christoph Hackelsberger weist auf die Verwandtschaft der Formensprache der Bunkerbauten des Atlantikwalls mit expressionistischer Architektur und Betonkonstruktionen der 1920er Jahre hin … Der völlig andere Zweck wie auch die militärische Verwendung sind kein Grund, ihnen eine hohe architektonische Qualität im Sinne einer ›Schwarzen Moderne‹ abzusprechen.” Da staunt man. Wie kann sowas sein. Heute sind die Bunker Internetcafés, Pizzerien oder Kunstorte für Graffitisprayer. Die Kinder werden sich Jahre später über die Leopardenbadeanzüge wundern. Mann, Mann, Mann. Hättet ihr uns nicht was sagen können? Nein, konnten wir nicht. Ihr wolltet die Fummel unbedingt haben und wart in diesem Urlaub überhaupt völlig uneinsichtig. Das ist noch mal ein Extrakapitel: Urlaub mit den Eltern. So viel Frust, so viele Missverständnisse! Ein Kind fühlt sich im Urlaub förmlich verpflichtet, schlechte Laune zu haben. Und wenn die Eltern dann endlich alt genug sind, um allein in die Ferien fahren zu können, ist die Gefahr des Streits bis hin zur Scheidung groß. Die Kinder hatten doch einiges abgefangen.

Irgendwas muss aufgebaut werden, und schon gibt es Streit

Irgendwas muss aufgebaut werden, und schon gibt es Streit

 

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