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Erfolg im Traum

Sie spielten wohl die ganze Nacht

… und spielten wohl die ganze Nacht

Ich kam zu spät, es war ein Traum. Das Klassenzimmer sah wie ein Hörsaal aus. Vielleicht war es nicht so schlimm, dass ich zu spät kam, denn für den Aufsatz, den wir schreiben sollten, hatten wir zehn Stunden Zeit. Wie sollte ich da panisch werden, wenn ich drei Stunden zu spät kam, was außerdem kaum registriert wurde. Das Thema des Aufsatzes lautete „Die Bedeutung des Spiels in unserem Leben”. Vorne erblickte ich die mächtige Gestalt unseres Deutschlehrers, der sich den Respekt der Schüler erworben hatte, er war ebenso gebildet wie furchteinflößend. Nun galt es für mich, die versäumten drei Stunden aufzuholen. Wie gesagt: Ich war weit davon entfernt, von Panik ergriffen zu werden. Und so notierte ich: Spiele sind wichtig, aber man kann auch alles zum Spiel machen, was nicht unbedingt Spiel genannt zu werden verdient. Man kann auch seine Arbeit spielerisch absolvieren. Ich spiele gern, und ich sehe gern anderen beim Spielen zu. Fußballspiele, Tennismatches. Wir leben in einem Jahrhundert des Spiels, wobei ich nicht weiß, ob das vergangene Jahrhundert gemeint ist oder dieses, in dem wir leben. Vielleicht begann aber auch das Jahrhundert des Spiels im Jahr 1990, als die großen Gegensätze sich auflösten. Homo ludens. Der Mensch ist nur Mensch, wenn er spielt. Kann man es noch Spiel nennen, wenn man für das Spiel mit Millionen bezahlt wird wie ein Fußballbundesligaprofi? Ja, man kann, die Suggestion des Spiels ist so groß, dass der Spieler das Geld vergessen kann, wenn er spielt. Nicht die Liebe ist es, die das Geld besiegen kann, es ist das Spiel und damit auch die Liebe, die, wie man weiß, ein seltsames Spiel sein kann. So groß ist die Faszination des Spiels, dass Multimillionäre ihre Gesundheit und sogar ihr Leben riskieren.

Ich kam gut voran. Vielleicht sogar zu gut. Ich wusste auch schon den letzten Satz: Das Spiel durchzieht unser Leben, und so ist auch dieser Aufsatz nur – oder: sogar – ein Spiel.

Ich war drei Stunden zu spät erschienen, und ich konnte den Hörsaal, der mir wie ein Spielfeld vorkam, auch drei Stunden früher wieder verlassen. Aber als ich aufwachte, arbeitete ich immer noch an diesem Aufsatz, ich konnte mich nicht davon lösen.

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