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Dieser Tage wieder mal

Deutschland – Wurstland. Hat keiner Hunger?

Deutschland – Wurstland. Hat keiner Hunger?

Früh am Morgen. Der neue Nachbar bringt die hüpfenden Mädchen zur Schule. Andere Kinder gehen zur Schule wie zum Schafott.

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Unser Freund, der Schauspieler, verkauft sich im Riverboat bestens in seiner Rolle als gutaussehender Mann.

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Auch heute muss ich einkaufen. Als ich die Halle verlasse, geht vor mir die schöne Schwarze mit ihrem stark gealterten Mann. So schön ist sie andererseits auch nicht. Von der Seite sehe ich den schnauzenartigen Mund.

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Wieder so’n doofer Film über die DDR im ZDF (Es war nicht alles schlecht, aber 99 Prozent). Andrea Kiewel, Ines Greipel-Schauer, Lutz Rathenow und so erklären, wie es wirklich war. Kulturminister Keller war, wie er jetzt mitkriegt, auch oppositionell. Roland Jahn beklagt einen Toten. Anschließend bringt Robert Atzorn die Leute reihenweise um. Ist aber schon ein anderer Film. ’n Spielfilm.

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Frau zu Frau über Mann: Er hat einfach die besseren Füße.

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Frau Merkel will gar nimmer von ihren Krücken lassen. Nein. Bei Kanzlerinnen sagt man nicht Krücken, da sagt man Gehhilfen.

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Mit fällt eine alte FAZ in die Hand mit einer Auswahl aus Jean Pauls Briefen. Manchmal macht er mich verrückt mit seinen verschlungen launigen Sätzen, von denen man oft nicht sicher sein kann, ob sie grammatikalisch sauber sind. Trinkt viel Wein, der ihm aber häufig nicht bekommt. Etwa so: Ein Oxhofft Graves-Wein mußt’ ich mit Verlust vertauschen, nachdem ich 24 mir schädliche Flaschen davon getrunken; aber auch das dafür eingetauschte Feuillett weißer Burgunder schlägt mir nicht zu. (an den Sohn) Dann geht es um zwei Flaschen 22ger Forsterwein, der ihm wegen seiner Jugend schlecht bekommt …

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Sie zahlen immer weniger für meine Arbeit und verlangen immer mehr. Zumutungen über Zumutungen, und die erste und letzte Zumutung ist das Geld.

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Ein junger Typ kam in die Tram, riss sich energisch den Rucksack von der Schulter, es folgte ein reißendes Geräusch und dann fiel etwas. Er tastete seine Jacke ab, sah mich an, da ist was runtergefallen, sagte ich, hm, meinte er, die Jacke, kaputt, hat 200 € gekostet, Berliner Firma. So reden Berliner über Berlin. Kann man so eigentlich nicht stehenlassen. Könnte auch am Rucksack gelegen haben, sagte ich, ja, sagte er. Zu heftig runtergerissen, das Temperament der Jugend. Daraufhin sagte er nichts mehr. War ihm wohl zu blöd. Vielleicht hielt er sich auch schon für alt, so wie die Alten sich für jung halten.

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Esprit d’escalier – das ist, wenn einem die besten Pointen immer erst hinterher einfallen, beim Verlassen des Hörsaals sozusagen. Eine Erscheinung, die uns unser ganzes Leben lang begleitet hat.

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Kölner Treff. Helge Schneider ist da. Die Böttiger meint, dass er fünf Kinder hat, er sagt: sechs. Sie fragt: von vier Müttern? Er lächelt geschmeichelt und sagt geheimnisvoll: Das entzieht sich meiner Kenntnis.

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Geh raus und rauch.

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Mir kommt es so vor, als ob ich schon seit Jahrzehnten die gleichen Sachen trage. Sagt Judi Dench, deren neuer Film „Philomena” in die Kinos kommt. (FAS, 23. 2. 14) Geht mir auch so.

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Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung? Im Bett liegen. Die Gedanken schweifen lassen. Einschlafen. Diesen und jenen Traum träumen. Aufwachen. Noch ein bisschen liegen bleiben.

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Heute denke ich, aus dem Küchenfenster schauend, da hat sich der alte Höhne, vermittelt durch seinen Hund, noch ’ne Geliebte angelacht, die sogar zwei Hunde hat. Wie das Leben so spielt. Durch ihre Hunde kommen Menschen ja oft zusammen. Und was für prächtige Hunde das sind! Sie sind so dynamisch, dass die Dame sie kaum zu halten vermag. Die dann aber aus der Nähe betrachtet doch Höhnes Frau ist. Wird ja immer verrückter. Was wollen denn diese armen alten Leute mit drei vitalen Hunden!

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Als ich nach Hause komme, liegt Schalke knapp 0:5 gegen Real Madrid zurück. Knapp deshalb, weil es auch viel höher stehen könnte, denn die Madrilenen haben weitere, genial herausgespielte Chancen, während die, ich sag mal, Knappen wütend und mit großer Härte gegen den hoffnungslos überlegenen Gegner vorgehen, um sich dabei selbst zu verletzen.

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Martin sagt: Ein Idiot war ich immer. Aber jetzt bin ich ein tränenseliger Idiot geworden. Ich lese irgendwo: Goethe fasste 1826 Grillparzer an der Hand und führte ihn in den Speisesaal. Grillparzer brach in Tränen aus. Und ich weine mit, bin zu Tränen gerührt.

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Sebastians Charme-Opfer sind meistens unschuldige Supermarkt-Kassiererinnen.

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Mittag, im TV läuft Ilja Richters alte Disco. Vicky Leandros singt Apres toi, Siegertitel Grand Prix von was weiß ich wann. Wie sie sich ins Zeug legt! Und es lohnt sich. Die linke Hand greift das Mikro, die linke Schulter ist vorgeschoben wie bei einem Boxer, der die Angriffsfläche verkleinern will, und die Rechte erzählt das Geständnis, das Bekenntnis, die große Liebeserklärung unterstützend mit. Das ist keine ausgeleierte Schlagerrhetorik, das ist der heilige Moment, der zählt.

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Robert Stieglitz gegen Arthur Abraham. Supermittelgewicht Weltmeister gegen Herausforderer. Mir gefällt dieser Stieglitz nicht mit seiner grandiosen Kondition. Wie der unablässig nach vorn stürmt und mit einem Schlagwirbel auf den Gegner eindrischt, irgend ein Haken wird schon treffen, und wenn er nicht mehr kann, legt er sich mit dem Oberkörper auf den Gegner drauf und schiebt ihn durch den Ring wie ein ungelenker Tanzschüler. Arthur ist ein bisschen aktiver als zuletzt. Verschanzt sich nicht so oft hinter seiner Doppeldeckung, schlägt allerdings zu wenig mit der Rechten. Aber in der 12. Runde erwischt er Stieglitz, der geht zu Boden, wird angezählt. Nur der Schlussgong kann ihn retten. Ein schlechter Verlierer ist er außerdem. Seiner Meinung nach hat er klar gewonnen und kann sich das 2:1-Urtei gegen ihn nicht erklären. Nun, Abraham hat sicher weniger Schläge angebracht, aber die eindeutig härteren.

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Teilweise fahren jetzt die Hundehalter hier schon von weither mit ihren PKW vor, damit ihre Tiere dann unser unschuldiges Wäldchen vollscheißen können.

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