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Themenwechsel

Letzte Woche sahen wir „Almut und Rita” mit Senta Berger und Conny Froboess, das war nicht überragend, aber auch nicht schlecht. Almut verkauft, ohne Not, ihre Zahnarztpraxis. Ohne Not ist vielleicht richtig, aber nicht ohne schlechte Laune. Auf die schlechte Laune ist sie abonniert. Ihre Mutter lebt in der Seniorenresidenz. Ihre Tochter verzichtet nach einem guten Examen auf die Karriere und lebt auf dem Land mit Kindern und Tieren. Kann Almut nicht verstehen, wie sie auch nicht verstehen kann, dass sie genauso sein soll wie ihre sture Mutter. Nein, sie ist ganz anders. Wenn da nicht dieses verräterische Wort Themenwechsel wäre. Das verwenden sie beide, wenn ihnen ein Gespräch an den Kragen geht, zu vertraulich wird. SOS. Themenwechsel!!! Senta Berger. Wer kann sonst noch mit so viel Charme die vornehme, beleidigte, lebensuntüchtige Leberwurst spielen! Und Cornelia Froboess, lange nicht im TV gesehen, manchmal war sie zu heftig, aber dann traf sie doch den Ton der Frau aus dem Volke, die bohren und basteln kann, aber auch ihr Leben in dünnen Schreibheften festhält, ganz gut.

Tags darauf legten wir „Die Faust im Nacken” (On the Waterfront), Regie Elia Kazan,  von 1954 ein. Was war doch dieser Marlon Brando für ein seltsamer, eindrucksvoller Typ. Dieser schräge Augenschnitt, das maskenhafte Gesicht zwischen Tragik und Clownerie, das in einigen Filmen total zerschlagen wurde, dass es nur noch ein roher Fleischklumpen war. War er ein Snob? Ein Autist? Ein Fürst in seinem Reich, wie Truman Capote schrieb, das eher nicht von dieser Welt war? Einerseits hätte man diesen Film sicher gern in der DDR gezeigt (korrupte Gewerkschaften), aber andererseits treten die Proleten als dumpfe, feige, indifferente Masse auf; das ging natürlich nicht hierzulande.  Ein Sonderleben spielt sich für Terry Malloy (also Marlon Brando) auf dem Dach ab. Dort ist er oft, und dort ist er auch ein anderer Mensch. Die permanente Anspannung des Boxers, der seine Karriere verspielte, fällt von ihm ab.  Da sind seine Tauben, die er züchtet und füttert, da sind zwei Jungs, die zu ihm aufblicken, da ist er unerreichbar für die Gewerkschaftsbonzen und dem Himmel so nah. Es schien so, als hätte Konrad Wolf sich diesen Film sehr genau angesehen, als er seine „Sonnensucher” drehte, einen frühen Verbotsfilm der DEFA.

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