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Kampf der Zyniker

Die Liebe und der Tod löschen alles aus – Streetart Berlin-Mitte Rosenthaler Straße

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Der Tatort aus Dortmund („Auf ewig Dein”) hat kaum angefangen, da versetzt sich Kommissar (oder auch Profiler) Peter Faber, das ist Jörg Hartmann, auch schon wieder in die Psychologie des Täters, zum Glück nur verbal, nicht gestisch, denn es geht um den Missbrauch und Mord an dreizehnjährigen Mädchen. So einen Fall hatte Faber schon mal, fünfzehn Jahre zuvor, in Lübeck. Der Täter, den er in den Knast brachte, hat sich in seiner Zelle erhängt, aber der Sohn lebt und das auch noch in Dortmund. Den Rest kann man sich beinahe denken. Faber ist überzeugt, dass dieser Markus Graf der Täter sein muss, und wir Zuschauer hegen auch keine Zweifel. Hauptstück des Krimis ist der Kampf dieser beiden Männer, Zyniker gegen Pseudozyniker, es ist ein Kampf mit Worten, von denen beide hoffen, dass sie so sehr verletzten können, dass der andere erledigt ist. Diesen Dialog muss man erst mal schreiben können, und das ist nur halb gelungen. Mir schien, die Macher des Films haben sich von „Das Schweigen der Lämmer” inspirieren lassen; sie wollten ein böses Superhirn schaffen, eine Bestie mit Unschuldsmiene, ein Schurke, der dem zweifelhaften positiven Helden durchaus gewachsen ist, so dass der Ausgang bis zum Schluss offen bleibt, aber sowas ist, wie wir wissen, sehr schwer.

Ansonsten zeigt der Film wie immer wenig Dortmunder Lokalkolorit und lässt allzu viele überflüssige Nebengeräusche hören. Dieses Kommissariat ist mir einfach zu voll. Die Diskussion darüber, ob es jungen Frauen heutzutage zuzumuten ist, Kinder in die Welt zu setzen, wird bundesweit von empfindlichen und weniger empfindlichen Gemütern geführt, das muss hier nicht noch mal referiert werden („Und ich stehe dann mit dem ganzen Risiko allein da”, sagt die junge Polizistin, dem ganzen Risiko eines Kindes, aber der Vater ist ja vorhanden und guten Willens, was suchen solche Hasenfüße des wirklichen und wahren Lebens bei der Polente? Ja, ich weiß, die haben da jede Menge davon.)

Man darf sich wundern, dass Faber ständig schnieft oder penetrant seinen Bohnenkaffee schlürft, aber letzteres tut er ja, um seinen Gegenspieler zu nerven. Großartig ist Fabers Reaktion, als es um einen Callboy geht, der Kokain verkauft hat. Ich bin eine von seinen Kundinnen, sagt Kommissarin Bönisch. Jörg Hartmanns Gesicht in diesem Moment ist einmalig vielsagend. Unter anderem klärt dieser Tatort auch das Geheimnis von Fabers Leben auf, die schlimme Vorgeschichte, den Tod von Frau und Tochter, die bösen Briefe, die oft auf seinem Schreibtisch lagen und zu Wutausbrüchen führten. Dieser Teil ist nun auserzählt; könnte der Klarheit in nächsten Filmen dienlich sein.

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