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Die Eiferer

Im Tatort aus München („Allmächtig”) stoßen mediale und religiöse Eiferer aufeinander. Die Leiche liegt anschließend im Hochwald. Wie realistisch auch immer: Es überrascht schon die schnöselige Arroganz der Medientypen, die sich dummstolz Entertainer nennen und die Welt- und Zeitabgewandtheit der Kirchenleute. Man fragt sich auch, ob es mehr die Medien- oder mehr die Spaßgesellschaft ist, an der wir uns offensichtlich laben und unter der wir leiden bis hin zum Untergang der einen oder anderen Existenz. Denn so ist es wohl: Was den einen die Tasche füllt und den Voyeurismus der anderen befriedigt, zerstört die Lebensgrundlagen der dritten. Also muss man wohl die Vermischung von Medien- und Spaßgesellschaft als verhängnisvoll empfinden. Wenn man die Schnösel agieren sieht in ihrer TV-Produktionsfirma, dann kann man schon das Kotzen kriegen. Wer ein Geschäftsmodell gefunden hat, will nach den Opfern nicht mehr fragen. Und im Netz beginnt nach Ausstrahlung der „soziale Abwärtsvergleich”, wenn man im TV wieder mal einen Messi vorgeführt hat.

Das Kreuz mit dem Kreuz und der Spaßgesellschaft

Das Kreuz mit dem Kreuz und der Spaßgesellschaft

Dazwischen die bewährten Kommissare Leitmayr (Udo Wachveitl) und Batic (Miroslav Nemec), beide mit korrektem weißen Haar, zu keinerlei modischen Verstiegenheiten neigend, höchstens mal zu einem undramatischen, müden Geplänkel, mal sagt es der Franz, mal sagt er der Ivo: Und das hast du jetzt ganz allein herausgefunden? Der Batic hat mittlerweile schon so ein empfindsames Gesicht, dass man ihm jedes kommende Verhängnis ansieht. Auch die freundliche Arroganz der beiden Profis gegenüber Neulingen und Berufsanfängern können wir teilen.

Wie immer der Himmel über Deutschland (hier mal gelb-schwarz), die Lichter der Metropole, Berge, Chausseen, federleichte Ironie. Gerechtigkeit gegenüber allen Berufsgruppen. Die Pfarrer sagen, was sie immer sagten (Wenn man mit dem Schmerz und der Not allein ist, das zerstört die Seele), und die Geschäftsführerin der Produktionsfirma weiß anzuklagen: Sie kennen sowas nicht, Sie haben Ihre festen Gehälter.

Man war träge genug, anschließend noch an einem Wallander hängenzubleiben („Vermisst”).  Da wird das kriminalistische Genre kompletter bedient, ohne dass sie dabei allzu konservativ vorgehen. Na ja, sie haben den Autor, der einfach die besseren Geschichten schreibt.

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