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Von Basketballspielern & Glasfedern

Ein Herz für Weihnachten

Ein Herz für Weihnachten

Und wieder sind wir zu einem runden Geburtstag in der Akademie der Künste am Hanseatenring. (Hoffentlich muss ich heute nicht wieder tanzen.) Haben wir Pech gehabt, als wir uns zu diesen Leuten an den Tisch setzten? Ein westdeutsches Ehepaar, das sich darüber beschwert, dass man noch immer nicht korrekt ins Bild gesetzt sei über die Stasi-Untaten von Politikern wie Stolpe und Gysi. Und Kohl, sagt der Mann, etwas asymmetrisch. Wir haben das Gefühl, dass wir darüber ein bisschen mehr wissen und machen uns, wie wir fälschlich glauben, um ein differenzierteres Bild verdient. Unsere Tischgesellen hatten Verwandtschaft im Osten, natürlich in Sachsen. Die haben sie oft besucht, sie hatten ein schweres Leben in der DDR, weil sie Christen waren und nicht in die FDJ eintraten. Es gab eben sone Sachsen und solche. Meistens waren sie eher Funktionäre. Schon hängt der Geburtstagssegen schief.

Welche Menschen haben im Leben des Jubilars eine Rolle gespielt. Das wird auf diesem Geburtstag thematisiert. Die Gäste werden Gruppen zugeordnet, und jede Gruppe erhält ein Symbol. Da sind die Ärzte und die Zahnärzte, da sind die Göttinger und die Berliner, da sind die Juristen, die Rundfunkleute und die Literaten. Und was ist das für ein Symbol?, fragen wir einen hochgewachsenen Herrn. Das ist ein Basketball, sagt der Mann, viele von uns waren Basketballer, wir haben Bundesliga gespielt. Und da wird es offenkundig: Wir sind hier unter auffallend vielen baumlangen Kerls mit schlenkrigen Gliedern, mittlerweilen in den besten Jahren. Alte Jungs. Ja, bestätigt der Jubilar, als ich zum Studium nach Berlin kam, kannte ich hier keinen Menschen, war völlig isoliert. Durch den Basketball wurde alles anders. Die Sportfreundschaften hielten fürs Leben.

Zurück im 17. Jahrhundert

Zurück im 17. Jahrhundert

Anschließend schleichen wir über zwei Weihnachtsmärkte im Umfeld des Fernsehturms. Der erste von beiden ist sympathisch. Da stehen nur zwei Fahrgeschäfte, und die Buden haben ein mittelalterliches und handwerkliches Profil. Wir befördern uns ans Ende des 17. Jahrhunderts, als der Bedarf an Schreibfedern enorm anstieg. Der Gänsekiel war wegen der starken Abnutzung out. Deutsche, italienische und nordamerikanische Glasbläser entwickelten Schreibgeräte aus Glas. Und so eine Glasfeder kann man hier kaufen. Der Hersteller produziert sie in Handarbeit, lobt ihr romantisches Aussehen, ihre hohe Schreibqualität und ihre Haltbarkeit. Meine Federn, darf er sagen, klecksen nicht. Auch heute noch ist die Glasfeder „ein wunderschönes, hochqualitatives Schreibgerät und eine Zierde für jeden Schreibtisch”.

Berlin macht sich weihnachtsfein

Berlin macht sich weihnachtsfein

Auf der Suche nach der besonderen Qualität dieses Weihnachtsmarkts stellen wir schließlich fest: keine Musik. Keine Beschallung. Kein Andy Borg, der mit „Schneeflöckschen, Weißröckschen” das Weihnachtsfest noch extra trivialisiert. Die Händler sind ein bisschen zerstreut. Sie lassen sich auf lange Gespräche ein, sind drauf und dran, das Wechselgeld doppelt und dreifach herauszugeben und wünschen einen schönen 1. Advent. Ist aber schon der zweite! Sie werden Weihnachten verschlafen. Na und?

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