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Selig sind die Anarchisten

Unverloren in den Weiten Mecklenburgs, oder: Unterwegs zum Stillen Don

Unverloren in den Weiten Mecklenburgs, oder: Unterwegs zum Stillen Don

Detlev Bucks „Wir können auch anders” ist inzwischen zwanzig Jahre alt. Ich habe den Film damals nicht gesehen, aber wozu gibt es DVD’s. Es könnte sein, dass die Initialzündung für diesen Film ein Bibelwort war: Selig sind, die da geistig arm sind. Und die Lage im Nordosten des gerade vereinigten Deutschlands. Und die Lust, in diesem disziplinierten Brave-Bürger-Land einen anarchistischen Film zu drehen. Die Brüder Kipp und Most haben von ihrer  Oma einen Hof in Mecklenburg und damit die Aussicht auf ein neues Leben, in dem alles schöner wird. Sie brechen auf mit einem Trauerkranz und einem alten Pritschenwagen, der vier Gänge und einen Rückwärtsgang hat und unter günstigen Umständen auf eine Geschwindigkeit von 80 km/h kommt. Ein junger Joachim Krol ist Kipp, ein junger Horst Krause ist Most. Kipp wird schwachsinnig genannt und lebt für gewöhnlich im Heim, aber er ist wohl eher naiv oder ein reiner Tor und kennt sich gut in der Schweinezucht aus. So einfältig er sein mag, so begierig ist er auf der anderen Seite, die Menschheit mit Vorträgen zu beglücken über Themen, die niemanden interessieren. Immer scheint er kurz davor zu sein zu stottern, aber nach einer kleinen irritierenden Pause geht’s locker weiter.  Mit der Aussicht auf den Hof fühlt er sich reich und hat sein Geld auf Grund überströmender Gefühlsaufwallungen schnell verschwendet. Bruder Most ist nicht nur dick, sondern auch dickfellig, was sein kleiner Bruder an Un-Sinn und Sinnlichkeit zu viel hat, hat er zu wenig, aber es kommt schon auch dazu, dass die ungleichen Brüder sich kloppen, schließlich hat der Kipp den Most schwul genannt. Nicht schlecht passt zu den beiden ein desertierter Sowjetsoldat, Viktor, dessen Kalaschnikow gleich mitdesertiert ist. Erst zu dritt wissen die Burschen sich zu wehren, gegen hooliganhafte Straßenräuber, gegen Bullen und Betrüger – und wie erst noch, als die Nadine genannte Kellnerin Sophie Rois zu ihnen stößt. Zu ihrem Erstaunen stellen sie fest, dass sie Mörder geworden sind und setzen den unabsichtlich eingeschlagenen Weg konsequent fort, bis sie am Stillen Don landen, wo sie die Russen mit Bier und schönen Worten abfüllen. Die können das ab. Das schönste an diesem Film ist wirklich, wie sich die Anarchie für die reinen Toren wie von selbst ergibt und geradewegs zum Glück führt, das man auf keinen Fall befragen sollte. Den Film hat Detlev Buck gemacht, der Junge vom Bauernhof, als er gerade 30 war.

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