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Der höfliche Detektiv

Höflicher kann ein Detektiv nicht sein als Thorsten Lannert sprich Richy Müller. Das ist ein Mann, den das Schicksal schwer geschlagen hat und der in der Folge lernte, seine Gefühle zu beherrschen. So gibt es auch keine scharfen Verhöre, sondern leise geäußerte Inständigkeiten wie: „Denken Sie bitte nach.” Und noch einmal: „Denken Sie bitte nach.”

Auf seinen Kollegen Sebastian Bootz (Felix Klare) kann Lannert im Moment nur bedingt zählen. Dessen Frau hat ihn verlassen und sich in die Arme eines Rollstuhlfahrers begeben. Nun wird Bootz von seinen Trennungskindern vereinnahmt, die ihm in ihren Verlassenheitssängsten keinen Spiel- und Arbeitsraum lassen, so dass er sie am Ende mit an den Ort der Tat und der Festnahme nehmen muss, wo sie ihrem Papa aus dem Auto heraus Beifall spenden. Jetzt wissen sie erstmal, was das für ein Mann ist! Ein Mann, wie er wohl auch im Leben vorkommt, einer, der sich ungeschickt kleidet und sich den falschen Friseur und auch die falsche Frau aussucht, aber doch immer wieder mal einen Geistesblitz hat und sei es, um eine schwarze Hundebestie zu zähmen.

Für einen Strang der Tatort-Reihe wird ein gewisser Hang zur Versöhnlichkeit zum Problem. Der hinterlässt nun allmählich den Eindruck, dass wir in Deutschland gar keine richtigen Verbrecher besitzen (die kämen dann höchstens aus den osteuropäischen oder arabischen Ländern), nur Kavaliere, die ab und zu eben ein Kavaliersdelikt begehen, einen Versicherungsbetrug oder einen Missbrauch bei Einverständnis. Zum Ausgleich verfügen wir natürlich über eine Unterschicht mit prekären Trinkgewohnheiten, bei der die verbale Gewalt fast so schmerzhaft ist wie die körperliche. Und in deren Schoß wird eine nymphenhafte Rotzgöre wie Sarah Baumbach groß (Vater Knast, Mutter Klapse), die ihrem Gönner eine Dostojewski-Ausgabe stiehlt, nicht, um sie zu Kohle zu machen, sondern um sie zu lesen, jedenfalls schon mal den ersten Band. „Ich bin bei Dostojewski nie über Seite 50 hinausgekommen”, sagt Lannert aufmunternd. Wahrheit? Anbiederung? Beides ist möglich. Der reiche Gönner wiederum sieht sich als einen Vertreter der Erben-Generation, die das Geld zum Fenster rausschmeißt, das die Eltern mit Blut und Schweiß verdient haben. Denn: „Ich mach mir nichts aus Geld.” So lange er genug davon hat. „Happy Birthday, Sarah” hieß dieser Tatort aus Stuttgart, und Ruby O. Fee als Sarah war dann auch wirklich das emotionale Zentrum des Films. Und Richy Müller und Felix Klare schätzen wir nach wie vor, wie versöhnlich sie auch sein mögen.

  1. Februar 18, 2014 um 8:39 am

    Sehr sympathischer Mann der Herr Kommissar!

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