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Das Reh als Mitte der Welt

Bestimmt ist es überflüssig, nachträglich ein paar Gedanken an die Bambi-Show zu verschwenden, und trotzdem. Sie war dieses Jahr nicht so ätzend wie die letzten Male, meiner Meinung nach (allerdings habe ich sie nie vollständig gesehen, und wir haben mit Lanz auch schwer zu unterbietende Produkte).

Das fing damit an, dass nicht ständig der Veranstalter und König Dr. Hubert Burda and his wife eingeblendet wurden, beim Lächeln, beim Gerührt-sein, beim Applaudieren und beim Danken für die vielen Dankesworte, die normalerweise an ihn gerichtet werden; das hielt sich diesmal in Grenzen. Das Alter hat eben doch Vorzüge, man wird nüchterner, muss nicht mehr so hofiert werden. Die Promis saßen zum Glück auch nicht mehr an Tischen, sondern in Reihen. Ob es damit zusammenhing, weiß ich nicht, jedenfalls sah man ihnen Neid und schlechte Laune nicht an wie in vergangenen Jahren, wenn der Preis haarscharf an ihnen vorbeigegangen war.

Letzten Endes ist der Bambi natürlich ein banales Nummernprogramm, kaschiert nur dadurch, dass jeder Akteur einen Preis erhält oder eine Preisrede hält.

Für manchen der Preiszukrönenden muss ein Preis erst noch erfunden werden. Ein Millenium-Bambi, ein Ehrenpreis-Bambi, ein Sonder-Bambi. Das Haus Burda renkt wieder ein, was vermasselt wurde: Man hat doch in all den Jahren versäumt, Andrea Berg einen Bambi in die Hand zu drücken, diese schreiende Ungerechtigkeit wurde jetzt aus der Welt geschafft. Die Schlagersängerin erhielt den Sonderpreis der Jury, man könnte ihn auch den Gerechtigkeits- oder Nachhol-Bambi nennen.

Was zu denken gibt: Das Haus Burda denkt international. Sieht sich als Mitte der Welt. Wo auch immer auf der Welt was zu loben ist, lauert das Reh von Hubert Burda. Man weiß nicht, wie man das finden soll. An einer solchen, selbst auferlegten Verantwortung kann man auch – nein, nicht zerbrechen, aber sich einen Burn out holen.

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  1. Corinne F. Horne
    November 24, 2013 um 3:57 pm

    Wann es wohl aufhört, dass Plus-Size oder dunkelhäutige Models auf dem Laufsteg exotisch sind? Das ist doch sogar in der Modewelt langsam ein alter Hut und sollte längst zur Normalität gehören.

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