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Junge, das ist Bolivien! Salar de Uyuni, der größte Salzsee, Salzsumpf, Salzwüste je nach Regenlage Fotos: Julia Thalheim

Junge, das ist Bolivien! Salar de Uyuni, der größte Salzsee, Salzsumpf, Salzwüste der Welt je nach Regenlage
Fotos: Julia Thalheim

Chilenische Mail (3)

Liebe Heimat,

es ist soweit …  Die ganze Zeit hin und her überlegt, wo man am besten rüber macht, und nun geht’s los.

Morgen fahren wir Richtung Bolivien, in ’nem Jeep mit 6 Leutchens. Ich ahne Strapazen (Ziel ist der Salar de Uyuni), erhoffe aber auch Entlastung für den Geldbeutel. Chile, und vor allem San Pedro haut rein, und das mächtig. Kurioserweise sind hier die beiden einzigen Geldautomaten komplett leergeräumt. Ist vielleicht auch ganz gut, kein Geld mehr zu haben, wird ein spartanischer letzter Abend.

Grüner wird’s nicht. Valle de Elqui, das Tal, in dem die Pisco-Traube reift

Grüner wird’s nicht. Valle de Elqui, das Tal, in dem die Pisco-Traube reift

Santiago war schön. Viel gesehen, was letztes Jahr alles unterging. Ich hab meinen Frieden gemacht. Im Lonly Reiseführer steht dass, wenn alle südamerikanischen Städte Personen wären, Rio, Mexico Stadt, La Paz, Buenos Aires und Lima Hitzköpfe sind und Santiago die gelassene große Schwester sei. Ich hab mich also wohl gefühlt.

Meinen obligatorischen Friedhofrundgang gab es nun auch, einen Tag auf dem Cementerio General zugebracht, eine ganze Stadt, riesig. Und da liegen sie alle. Allende, Victor Jara, Violetta Para. Auf dem Rückweg aus dem Labyrinth in eine Beerdigung hineingeraten. Gefühlte hundert geschmückte Autos mit Hupen und aufheulenden Motoren sind in den Friedhof eingefallen. Einigen Wenigen hat man die Trauer angesehen, aber die meisten sind total jahrmarktmäßig aufgebracht nebenher gelaufen.

Deine Heimat ist das Meer, genau gesagt der Pazifik Foto: Charlotte Bastian

Deine Heimat ist das Meer, genau gesagt der Pazifik
Foto: Charlotte Bastian

In La Serena gab es endlich ein wenig frische Pazifikluft und im Valle de Elqui ’ne Ahnung von Entspannung.

Nun also San Pedro de Atacama. Geysire, Lagunen, Flamingos, Vulkane … Alles abgearbeitet, völlig eingestaubt, sowohl innen als auch außen und dehydriert kommt man am Nachmittag heim und bucht schon wieder die nächste Tour. Ick bekomme eine Ahnung von der Bedeutung des Wortes Reisemüdigkeit.

Die Touren beginnen hier gegen vier Uhr in der Früh. Da klappern noch die Zähne, und sobald es die Sonne über die Vulkane schafft, zerfließt man und kann sich kaum noch draußen aufhalten.

Ab durch die Wüste. Sieht weniger trostlos aus, als man denkt

Ab durch die Wüste. Sieht weniger trostlos aus, als man denkt

Unseren sanften Einstieg in San Pedro hatten wir mit Axel. Der setzte sich ausgezehrt nach heimatlichen Klängen und kontaktsuchend an unseren Tisch. Den Einstieg ins Gespräch fand er mit dem Thema Eis und ob man sich denn eines genehmigen dürfe oder lieber wegen Salmonellen die Finger davon lassen solle. Na, jedenfalls arbeitet Axel seit einem Jahr hier in Calama, hat Frau und Kinder in Deutschland, macht ’n Riesenschotter und ist Scheiße einsam.

Axel also fuhr uns mit seinem Jeep ins Valle de la Luna. Zum Sonnenuntergang. Du kriechst (und das meine ich genau so!) auf die Gipfel und wartest darauf, dass die untergehende Sonne die Wüste in ein Farbenmeer taucht und, zack, ist es finster und du frierst dir wieder den Arsch ab.

Da werden Laster zu Matchboxautos. Das Dreckloch Calama – Chuquicamata

Da werden Laster zu Matchboxautos. Das Dreckloch Calama – Chuquicamata

Gestern ging es noch mal zurück in das Drecksloch (O-Ton Reiseführer!!!) Calama und zur Kupfermine Chuquicamata. Für die arbeitet auch Axel. Ein unfassbar riesiges Loch. Die Trucks, die – was weiß ich – aus der Erde holen, sind groß wie Häuser. Aber wenn man in den Riesenschlund der Mine schaut, dann haben sie nicht mal mehr Matchboxgröße. Vor den aufgetürmten Sandbergen kann man sich noch die Geisterstadt Chuquicamata ansehen, Casino, Kirche, Polizei, Spielplatz, Schule … Alles noch da, alles leer und ausgestorben. Da haben die 20 000 Arbeiter für umme mal gelebt. Unter der Stadt gibt es natürlich auch noch Kupfer. Deshalb wurden die Arbeiter nach Calama umgesiedelt, da mussten sie für die Wohnungen aber bezahlen. Am schlimmsten ist vermutlich der arsenverseuchte Feinstaub, so dass die nun alle in dem Drecksloch leben. Aber ob did nun 10 Kilometer entfernt so viel besser ist, wage ich zu bezweifeln. Fühlt man sich gleich ganz schlecht mit seinen ständig neuen Handys.

Das Gefühl für Weite muss noch mal erweitert werden

Das Gefühl für Weite muss noch mal erweitert werden

Drückt mir Daumen, dass ich morgen zwischen gut riechenden sympathischen, nicht allzu sehr schwitzenden Mitfahrern eingeklemmt sein werde und dass sich dieser Trip lohnt…

Kuss Jule

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