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Jung und cool ist nicht genug

Da haben wir nun einen neuen Tatort aus Erfurt mit brandneuen Kommissaren, und es ist null Innovation zu erblicken. Man setzt auf die Karte Jugend, zu den blutjungen Kommissaren tritt eine altkluge Praktikantin, die für jede Lage ein Fremdwort in petto hat, während die ermittelnden Jungs sich mit „Alter” anreden und alles „krass” und „geil” finden. Wenn es denn doch eine Innovation gibt, dann ist es diese: Erstmals laufen die Täter den Ermittlern nicht weg, sie werden von den jungen Burschen eingeholt und gestellt, die sich dann aber vor der Staatsanwältin rechtfertigen müssen, weil sie nicht auf das lahmarschige SEK gewartet haben. Das ermüdende und nicht wirklich amüsante Geplänkel zwischen Ermittlern und Staatsanwältin ist ein so alter Hut, dass man nicht glauben mochte, ihm in einem Neustart noch einmal zu begegnen. Die Kommissare sind gute Läufer, aber sonst? Hauptkommissar Funck  hat eine Tochter und ist in seine Nachbarin verliebt. Oberkommissar Schaffert drischt, kaum dass er seine Wohnung betritt, auf einen Sandsack ein. Sie werfen sich Colabüchsen zu und sind begeistert von Pizza Salami. „Er hält uns für dumm”, sagt der eine, „vermutlich, weil wir jung sind.” Das tun wir nicht, müssen aber anmerken, dass es noch kein Verdienst ist, jung zu sein. Dumm sind sie nicht, die Burschen, aber ohne Kontur.

Im Vorfeld kam Ärger auf. Der produzierende MDR gab ein Interview des „Freitag” mit der zuständigen Redakteurin nicht zur Veröffentlichung frei. Die Fragen waren wohl zu aggressiv. Denn der MDR hatte das demokratische Verfahren gewählt und den „Tatort” ausgeschrieben. Es gab viele Vorschläge. Genommen wurde das Konzept des alten Tatort-Hasen Thomas Bohn. „Wer Bohns Tatort-Folgen kennt … , weiß, was ihn am Sonntagabend erwarten wird: lausige Dialoge, grundlos schlecht gelaunte Figuren, pseudocoole Sprüche, schlechtes Timing, ein grobschlächtiger Wirklichkeitsentwurf und ein paar technische Mätzchen zur Überbrückung des Nichts, das die Geschichte ist”, schreibt Mathias Dell vom „Freitag”. Dem ist entschieden zu widersprechen: Die Dialoge waren nicht lausig, sondern hilflos, die Figuren hatten gar keine Laune, und auf die technische Mätzchen hat man einstweilen verzichtet. Das freut natürlich biedere Rezensenten wie etwa in der Berliner Zeitung. Die sind von Dominik Grafs Tatort aus München noch so benommen, dass sie sich jetzt in Opas Tatort richtig wohlfühlen: „endlich mal ein grundsolider Krimi”.

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