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Too much, Munich

Wie beinahe zu erwarten war, hatte der Regisseur Dominik Graf mehr zu bieten, als ein Tatort an einem ambivalenten deutschen Sonntagabend vertragen kann. „Aus der Tiefe der Zeit” wehte uns das Schicksal eines SS-Hauptmanns an, eine Kunstschützin und Prinzipalin versuchte, die Szene zu beherrschen, die Allgegenwart von Meret Becker in wandelnden Kostümierungen war zu bewundern, ein Bruderzwist brach auf und ein, ein erpresserischer Coiffeur machte sich mausig, die kroatische Community sorgte für Unruhe, ein seltsamer Manager sprach irrwitzig von sich in der dritten Person, Politiker und Baufirmen wickelten krumme Geschäfte ab, Erdabrisse wie an Rügens Steilküste ereigneten sich, das Wasser des Schwimmbeckens färbte sich rot, das Navi nervte, das Licht war diffus, die Farben dramatisch, das Feeling amerikanisch, und wenn die Kommissare Verdächtige oder Zeugen befragten, ratterten gleich nebenan die Presslufthämmer. Ja. Etwas Ruhe und Gelassenheit brauchte auch der schärfste Krimi. Dabei war dieser Münchner Tatort mit hohem Formwillen, mit Charme, tollen Bildern und vielen Detailideen gemacht, aber die Story war nicht gerade stark und operierte nur zu gern mit Irrtümern, so dass am Ende mehrere Tote zu verzeichnen waren, aber kein wirklicher Mord. Trotzdem kamen angenehm banale Sätze vor wie dieser: „Wir haben auch eine Leiter im Haus, ja.” Für die Kommissare, die nicht viel mehr zu tun hatten, als dem Geschehen hinterherzulaufen, gab es immerhin eine Gewissheit: „Das Ende eines langen Arbeitstages ist der Anfang des nächsten.” Da hatten sie den fleißigen Deutschen an ihrem Sonntagabend aus der Seele gesprochen.

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