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Kann morgen ein Sieger sein

Wir spielten, bis es dunkel war © Fritz-Jochen Kopka

Wir spielten bis die Nacht über uns hereinbrach
© Christian Brachwitz

Das Foto ist zwar von 1983 (Berlin, Prenzlauer Berg), aber zeit- und raumübergreifend aktuell. Zu meiner Zeit und in meiner Stadt spielten wir Fußball auf der Straße und im Torweg, auf dem Brunnenplatz und auf der Schützenwiese und nicht zuletzt am Sumpfsee. Erst wurde gezählt, wieviel Jungs wir waren, und dann wurde gewählt. Mieze Mau, Schubi, Flatter Schröder, Männlein Koch, Nieschen Holz, so hießen und wurden genannt die üblichen Verdächtigen. Es wurde mit allem Einsatz gespielt. Zu meinen unauslöschbaren Kindheitserinnerungen gehört, wie ich abends auf dem Küchentisch saß und meine Mutter vorsichtig meine Beine wusch und anschließend die Verletzungen besonders an den Knien mit Wundpulver und Mullbinden verarztete. Sie wusste aber, dass gegen die Fußballleidenschaft kein Kraut gewachsen war.

Ich wüsste zu sagen, wer die besten Fußballer auf diesem Bild sind (die beiden, die den Fuß auf dem Ball haben). Ich wüsste auch zu sagen, warum sie alle glücklich aussehen (bis auf den Kleinen, der irgendwie über seine Sonderrolle nachdenken muss): Sie spielen ohne Schiedsrichter. Sie müssen sich nicht sogenannten Tatsachenentscheidungen unterwerfen. Sie genießen das Privileg, sich selbst zu einigen. Keiner kann des Feldes verwiesen werden. Und wer heute verliert, kann morgen schon ein Sieger sein.

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