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Goethes Vater

Der Vater war bei Goethes Geburt 39 Jahre alt, die Mutter 18

Der Vater war bei Goethes Geburt 39 Jahre alt, die Mutter 18

Ob ich mir die Goethe-Biographie von Rüdiger Safranski kaufe? Weiß ich noch nicht. In den Rezensionen war oft von der bewährten Biographie die Rede, die Richard Friedenthal geschrieben hat. Und die habe ich mir besorgt. Es gibt unglaublich günstige, gut erhaltene Bücher im Netz. Ich lese also das bei Piper erschienene Buch von Friedenthal über unseren Goethe und fühle mich wohl dabei. Friedenthal ist sofort bei der Sache bzw. bei dem Dichter, und er erzählt gut. Ich werde vielleicht hier einige Details wiedererzählen, weil sie regelrecht zum Erzählen herausfordern. Wie etwas, das man selbst erlebt hat. Zuerst Goethes Vater.

„Vom Vater hab ich die Statur /Des Lebens ernstes Führen …” Goethe-Zeilen, die uns seit der Schule verfolgen. Es war aber so. Das Familienvermögen hat Goethes Großvater, Friedrich Georg, verdient. Der war ein tüchtiger Damenschneider, konnte in diesem Beruf in Frankreich bestehen, heiratete in zweiter Ehe eine reiche Schneiderwitwe, die einen großen Gasthof mit in die Ehe brachte. Gute Geschäfte machte der Großvater mit dem Weinhandel.

Goethes Vater, Johann Caspar, hat zum Familienvermögen nichts hinzuverdient. Er studiert Jura, macht seinen Doktor und unternimmt eine perfekt organisierte – man kann schon sagen – Bildungsreise nach Italien, die seine Unternehmungslust aber wohl für alle Zeit erschöpft. Das Verlangen auf Einstellung in die Stadtverwaltung wird abgelehnt. Vater Goethe kauft sich für 313 Gulden den Titel eines Rates, der ihn der oberen Gesellschaft zugesellt, aber eine Tätigkeit in der städtischen Verwaltung ausschließt. Der Rat zieht sich ins Privatleben zurück, heiratet mit fast vierzig Jahren die siebzehnjährige Elisabeth Textor und widmet sich als umfassend gebildeter Mann seinen Sammlungen (Bücher, Bilder, Naturalien) und der Erziehung der Kinder. Seine Laute pflegte er endlos zu stimmen, zum Spielen kam er kaum. „Es ist möglich, dass allerhand Töne in ihm schlummerten. Sie kamen nie zum Klingen”, schreibt Friedenthal. Der Rat suchte Goethes Lehrer aus und achtete darauf, dass auf die Schätze seiner Sammlungen (Bücher, Bilder, Stiche, Landkarten) bei der Ausbildung zurückgegriffen wurde. Er vergreiste früh und führte am Ende nur noch ein Pflanzenleben.

Seine letzte größere Unternehmung war, dass er zwei ererbte Häuser zu einem Gebäude umbauen ließ. Ein eher irrationales Vorkommnis mit Langzeitwirkung: Johann Caspar hatte einen reichen, aber zunehmend schwachsinnigen Pensionär ins Haus aufgenommen, der fünfundzwanzig Jahre lang wie ein unseliger Schatten durch die Räume gespensterte.

Man sollte das alles stehen lassen, wie es ist, und keine Schlüsse ziehen. Goethe ist trotz und wegen dieses Vaters Goethe geworden.

 

 

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