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Haußmanns Kita-Krimi

Wenn ick mal Zeit habe, mache ick mir Gedanken über Leander Haußmann. Vorerst nur soviel, dass Leander Haußmann einen Überregisseur oder Ordnungshüter brauchte, der in seinen Filmen aufräumt. Die Verkleisterung mit Musik auflöst, die Proportionen zurechtrückt, Stringenz herstellt. All das kann Haußmann (vorerst) nicht allein. Er gefällt sich darin, ein heiterer Chaot zu sein, der von seinen Einfällen gejagt wird. Hier geht es um den Polizeiruf aus München. Matthias Brandt ist Kommissar Hanns von Meuffels. Damit hat ein Film schon mal eine Fallhöhe. Erfahrungsgemäß kann ein Film mit Matthias Brandt schwerlich abstürzen. So ist es mit diesem „Kinderparadies” betitelten Krimi auch. Der Film kann bestehen. Er ergreift uns, stellt uns hier und da aber auch ratlos an den Rand und lässt uns an einen ratlosen Regisseur denken, dem seine Ratlosigkeit nichts ausmacht. Er hält sie eher für einen Vorzug. (Muss man annehmen). Leander Haußmann ist öfter sehr privat, sehr familiär und sehr amerikanisch. Letzteres heißt, dass er den Amis einiges nachmachen möchte. Ihren Serien. Er sieht sich da auf Augenhöhe. Er ist gern privat und fragt sich im Gespräch mit den Rezensenten, ob er denn in seinem Produkt brutal genug gewesen ist. Seine Frau spielt mit, seine Tochter spielt mit. Auch darüber hinaus ist Haußmann familiär. Man ahnt, dass er von Kita-Problemen selbst ein Lied singen kann und dass ihn ambitionierte Eltern, die so eine Art Kinder-Heiligenschein haben, nerven. Zu Recht. Er hat einen scharfen Blick und ein waches Ohr für gutbürgerliche Tonfälle, Gesten, Grimassen, Verstiegenheiten, Idiotien, aus denen Katastrophen werden können. Wenn Leander Haußmann also heute sagt, dass er für jede lustige Idee, die er nicht hat, dankbar ist, dann heißt das auch, dass er sich auf dem richtigen Weg befindet. Ich habe vor einigen zwanzig Jahren eine Inszenierung des Sommernachtstraums von Haußmann in einem, ich weiß nicht mehr welchem, Berliner Theater gesehen. Wenn ich mich richtig erinnere, und ich erinnere mich leider meistens richtig, war das ein ziemlicher Schuss in den Ofen. Selbstverliebt, chaotisch, diffus. Viele lustige Ideen, die er hatte. Der Sommernachtstraum war auch in diesen Kita-Krimi involviert. Ich sah da einen deutlichen Entwicklungsschritt.

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